Berliner Bärenfreunde e.V.

Mittwoch, 22. November 2017

Georg Lorenz: Architekt des Bärenzwingers

Georg Ernst Karl Lorenz Architekt
12.07.1893 – 28.02.1988

In Berlin am 12. Juli 1893 geboren. Dissident. Freidenker. Pazifist. Sportler. Kriegsteilnehmer 1915/16 in Flandern und Nordfrankreich. Verstorben am 28.2.1988.

Gegen die herrschenden Nazis hatte er eine sehr starke Abneigung und machte daraus auch keinen Hehl. Seine Kinder Käthe (geb. 1921) und Helmut (1925-1986) waren weder beim BDM („Bund deutscher Mädel“) noch bei der HJ („Hitlerjugend“).

Georg Lorenz gründete ein Architekturbüro in Berlin, Potsdamer Straße. Der Baumeister und Architekt konnte Ende 1938 einen guten Auftrag ergattern. Es handelte sich darum, dass aus einem Straßenreinigungsgebäude am Köllnischen Park (erbaut von Ludwig Hoffmann) in Berlin-Mitte ein Bärenzwinger entstehen sollte.


Wappentiere im neuen Bärenhaus, Fotograf unbekannt

In der Broschüre „Der Berliner Bär hat einen Namen“ von 1995 heißt es: „Der Tiefbau wurde von der Allgemeinen Baugesellschaft Lorenz & Co. in Berlin-Wilmersdorf, der Gebäudeumbau von der Firma Georg Lorenz, Bau- und Maurermeister in der Potsdamer Straße, ausgeführt. […] Am 17. August 1939 um 15 Uhr war es dann soweit. In Anwesenheit tausender Berliner wurde der Bärenzwinger offiziell übergeben.“


Urs und Vreni beim Training mit ihrem Wärter (AK aus Privatarchiv Christa Junge). Echte Fotografie c/2256

Auf alten Fotos sieht man viele Menschen, viele Naziwürdenträger und viele Hakenkreuzfahnen. Seine Tochter Käthe Eis erinnert sich: „Er wurde schön, der Bärenzwinger. Damals war das verkleidet mit solchem Teakholz, dem härtesten Holz, damit die Bären das mit ihren Krallen nicht kaputtmachen können.

Ich war mit meinem Vater damals dabeigewesen, als der Polier den Bau übergeben hatte. Es kamen da viele hohe Tiere, die direkt an der Reichskanzlei tätig waren, zur Einweihung am 17. August 1939. Ich war die einzige junge Frau dabei. Der Polier und mein Vater haben gesprochen. So ein hohes Tier von den Uniformierten, die waren ja alle in Uniform, meinte – ‚Ja, jetzt haben wir festgestellt, daß auch eine junge Dame unter uns ist.‘ Und Vater, der ja nichts mit den Nazis am Hut hatte, sagte ganz stolz – ‚Das ist meine Tochter.’

Dann haben die Bonzen getuschelt und einer rannte los und kam mit einem Riesenblumenstrauß zurück, den er mir in die Hand drückte. Und ich mußte dann ganz brav Dankeschön sagen. Anschließend sind Vater und ich mit der S-Bahn nach Hause gefahren. Der Blumenstrauß lag auf meinem Schoß und Vater guckte so auf den Strauß. ’Und das uns…!’“


Georg Lorenz, 30er Jahre

Wohl im November 1943, bei einem der großen Bombenangriffe auf Berlin, wurde auch der Potsdamer Platz in Schutt und Asche gelegt. Georgs Schwester Gertrud schrieb Ende Januar 1944 in einem Brief: „Ich helfe Georg im Büro. Er hat sein Büro hier in Hohen Neuendorf eingerichtet (in seinem Haus – M.S.), weil in Berlin das Haus mit sämtlichen Akten und Unterlagen total vernichtet wurde.“ Die Potsdamer Straße war ein Trümmerfeld und alles lag voller Papiere. Denn dort gab es unzählige Geschäftsräume von Architekten, Anwälten und Versicherungsgesellschaften.


Georg Lorenz und Tochter Käthe, 14.12.1940

Erinnerungen der Tochter Käthe Eis von der Eröffnung des Bärenzwingers.
Aufgeschrieben aus Berichten der Familie von Matthias Salchow (Großneffe).
Text gekürzt.

mit freundlicher Genehmigung des Autoren und der Tochter des Architekten Herrn Lorenz, Frau Eis.