{"id":1557,"date":"2012-08-15T23:11:59","date_gmt":"2012-08-15T22:11:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/15-08-12-berliner-woche-die-vergessenen-baren\/"},"modified":"2012-09-16T17:19:01","modified_gmt":"2012-09-16T16:19:01","slug":"berliner-woche-die-vergessenen-baren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/berliner-woche-die-vergessenen-baren\/","title":{"rendered":"15.8.2012 Berliner Woche: Die vergessenen B\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Die vergessenen B\u00e4ren <!--more-->Um den Zwinger ist es still geworden. \u00dcber den Verbleib der Tiere gehen die Meinungen auseinander.<\/p>\n<p>Berlin. Im Nachgang zur 700-Jahr-Feier Berlins 1937 schuf sich die Stadt einen Ort, an dem ihr Wappentier leibhaftig werden sollte. 75 Jahre sp\u00e4ter pflegen Stadtb\u00e4rin Schnute und ihre Tochter Maxi am K\u00f6llnischen Park ein beschauliches Dasein. Unerm\u00fcdlich zeigen sich nur die Gegner des Zwingers und seine gr\u00f6\u00dften Liebhaber.<\/p>\n<p>\u201eEinen Moment, Schnute kommt gleich wieder.\u201c Christa Junge l\u00e4chelt verlegen. So als st\u00fcnde sie als Vorsitzende des Vereins Berliner B\u00e4renfreunde in der Vorf\u00fchrpflicht. Als habe man ein Anrecht darauf, die Stadtb\u00e4rin sofort zu ersp\u00e4hen. Doch Schnute bleibt im H\u00e4uschen. Kastanienbl\u00e4tter wispern \u00fcber dem Graben. Im Wasserbassin treibt ein Ball. \u201eTja, schade\u201c, ruft der Mann mit der Latzhose, eilt zur\u00fcck zu seinem orangefarbenen M\u00fcllauto und springt auf.<\/p>\n<p>Die ganz gro\u00dfe B\u00e4renliebe<\/p>\n<p>Der B\u00e4renzwinger &#8211; ein au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Haltepunkt der M\u00fcllabfuhr. Ein Verweilort f\u00fcr Anwohner und einige Dutzend t\u00e4glicher Besucher des K\u00f6llnischen Parks, dieses Gr\u00fcnfleckens zwischen dem M\u00e4rkischen Museum und den Mauern der ehemaligen DDR-Bezirksparteihochschule. Wer entz\u00fcckt sich noch an Schnute und Maxi in der Zeit, nachdem die ganz gro\u00dfe B\u00e4renliebe der Berliner mit Knut verstarb?<\/p>\n<p>\u201eErst gestern war ein P\u00e4rchen aus Brasilien da. Sie hatten \u00fcber den Zwinger gelesen und wollten unbedingt hier hin\u201c, versichert Junge und blickt wieder auf das Tor. Aber noch immer keine Schnute. Ihr Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die Berliner B\u00e4rentradition zu pflegen. Informationen zur Historie des Wappentieres und des Zwingers h\u00e4lt er unter www.berliner-baerenfreunde.de bereit.<\/p>\n<p>Dass die Kunde von der Stadtb\u00e4rin und ihrer Tochter auch auf ferne Kontinente dringt, ist der 58-j\u00e4hrigen Vereinsvorsitzenden ein Herzenswunsch. Man muss Christa Junges Wohnung, in der sich Hunderte Stoffb\u00e4ren aneinanderschmiegen, einmal gesehen haben, um zu wissen: Der Petz ist nicht nur ein Symbol. Er ist die treibende Kraft in ihrem Leben.<\/p>\n<p>In die Jahre gekommen<\/p>\n<p>Wenn die ehemalige Archivarin nicht gerade die Verbreitung des Stadtwappens erforscht und die Vereinszeitung \u201eDer Berliner B\u00e4r\u201c gestaltet, steht sie im K\u00f6llnischen Park am Gel\u00e4nder, schaut und \u201emoderiert\u201c zwischen Mensch und Tier. Sie tut das oft genug, um den Liebesschwund erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen: \u201eBerlin hat ja so viele andere Attraktionen, die das Interesse auf sich ziehen.\u201c Dass Schnute und Maxi im gesetzten Alter von 31 und 26 Jahren den Schnappschussj\u00e4gern keine Artistik mehr bieten, kann man als Einbu\u00dfe an Attraktivit\u00e4t bewerten. Pflegerin Marlies Gnade, die das B\u00e4renduo im Auftrag des Gr\u00fcnfl\u00e4chenamtes von Mitte seit 20 Jahren betreut, sieht es als Vorteil: \u201eIn ihrer Jugend haben die beiden hier beim Spielen ziemlich gew\u00fctet, und einiges ging dabei zu Bruch. Jetzt bleibt alles heil.\u201c<\/p>\n<p>Da tapst pl\u00f6tzlich Schnute ins Freie, durchquert den weichen Rindenmulch und watet hinab ins Bassin. Das Quecksilber n\u00e4hert sich der Marke von 30 Grad. Schnute k\u00fchlt ihren Pelz.<\/p>\n<p>Die Letzten in einer Ahnenreihe<\/p>\n<p>\u201eUnsere B\u00e4renkinder sollen es gut haben\u201c, gelobt das Schild am Westfl\u00fcgel des mit Efeu bewucherten Baus. Ob sie es im Zwinger gut haben, ist eine Frage des Blickwinkels. Fest steht, dass diese B\u00e4ren die letzten in einer Ahnenreihe sein werden, die 1939 mit dem Einzug der Schweizer B\u00e4ren Urs und Vreni begann. Fest steht auch, dass sie auf Berliner Boden das Zeitliche segnen sollen. So verf\u00fcgten es die Senatsverwaltung f\u00fcr Umwelt und der Bezirk Mitte vor zwei Jahren, als die angedachte Umsiedlung in den B\u00e4renpark M\u00fcritz platzte.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Patrick Boncour ein unverst\u00e4ndlicher Beschluss. Aber einer, der noch wackeln k\u00f6nnte. \u201eDerzeit l\u00e4sst das Bundeslandwirtschaftsministerium einen neuen Entwurf f\u00fcr Richtlinien zur Tierhaltung erarbeiten\u201c, sagt der Fachmann der Organisation \u201eVier Pfoten\u201c. K\u00e4me die erwartete Versch\u00e4rfung durch, k\u00f6nne Anfang 2013 gepr\u00fcft werden, ob der Zwinger diesen Anforderungen noch gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Noch rege Instinkte<\/p>\n<p>Dass es erst so weit kommen muss, stimmt Patrick Boncour \u00e4rgerlich. \u201eAlle, die B\u00e4ren unter solchen Bedingungen halten, bewegen sich. Nur nicht Berlin\u201c, meint er. Selbst betagte Tiere wie Schnute und Maxi h\u00e4tten noch rege Instinkte wie das Bed\u00fcrfnis zum Erkunden neuer Territorien oder den Drang zum Graben von Schlafmulden. \u201eUnd wir haben sogar \u00e4ltere B\u00e4ren noch erfolgreich in Parks umgesiedelt\u201c, sagt der Hamburger.<\/p>\n<p>In Berlin argumentiert man nach einer anderen Logik. \u201eDas w\u00e4re so, als ob jemand, der eine warme Stube gewohnt war, pl\u00f6tzlich obdachlos wird\u201c, erwidert Marlies Gnade. Gewiss w\u00fcrden Braunb\u00e4ren in freier Wildbahn kilometerweit wandern, aber nur getrieben vom Hunger und verdr\u00e4ngt durch Rivalen. In Christa Junges Augen ist der Wegzug ohnehin ein drohender Verlust: \u201eDie Berliner werden erst merken, was sie an den B\u00e4ren hatten, wenn sie irgendwann nicht mehr da sind.\u201c<\/p>\n<p>Bis man fragt, ob die Begriffe \u201ealtengerecht\u201c und \u201eartgerecht\u201c in diesem Fall in Deckung zu bringen sind, werden die letzten Stadtb\u00e4ren einen weiteren m\u00e4rkischen Winter verschlummern &#8211; und ein Stadtjubil\u00e4um. Denn einen Tag vor der 775-Jahr-Feier am 28. Oktober beginnt im Zwinger die Winterruhe.<\/p>\n<p>Thomas Schubert<\/p>ngg_shortcode_0_placeholder","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vergessenen B\u00e4ren<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[2,23,31,3],"tags":[],"class_list":["post-1557","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-barenzwinger","category-berliner-bar","category-jahr-2012","category-topthema"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1557","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1557"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1557\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1563,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1557\/revisions\/1563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}