{"id":19322,"date":"2024-07-03T13:33:19","date_gmt":"2024-07-03T11:33:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/?p=19322"},"modified":"2024-07-20T13:33:34","modified_gmt":"2024-07-20T11:33:34","slug":"ausstellung-nie-wieder-und-jetzt-im-baerenzwinger-vom-09-05-21-07-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/ausstellung-nie-wieder-und-jetzt-im-baerenzwinger-vom-09-05-21-07-2024\/","title":{"rendered":"Ausstellung ?Nie wieder und jetzt? im B?renzwinger vom 09.05. ? 21.07.2024"},"content":{"rendered":"\n<p>Ausstellung ?Nie wieder und jetzt?<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Als unsere Vorsitzende, Frau Christa Junge, mir den Link schickte und erw?hnte, dass sie die Info zur Ausstellung nur zuf?llig sah, war ich sofort zu einem Besuch bereit. Das lag u.a. am Thema, das mir nicht fremd ist und mich auch im Alltag oft sehr nachdenklich macht (besonders in den letzten Jahren).<br \/>Vor 110 Jahren begann der 1. und vor 85 Jahren der 2. Weltkrieg, seit gut 2,5 Jahren gibt es Krieg in der Ukraine durch Angriff von Russland, der durch diverse vorangegangener Konflikte beider L?nder irgendwie absehbar war, aber seitens Putins Russland v?lkerrechtswidrig ist!<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind jedoch nur Kriege von vielen, die es gab und gibt, weil sie medial im Fokus stehen. Nach viel Hoffnung und Illusionen in den 1990er Jahren sind diese derzeit bei vielen Menschen in Sorge und Hoffnungslosigkeit umgeschlagen. 2 Reisen haben mich 2016 nach Israel und 2019 nach Russland gef?hrt, was eine emotionalere Sicht zu diesen Konflikten erkl?rt. Das 21. Jh. mit seinen vielschichtigen Problemen zu charakterisieren, f?hrte viel zu weit und ist auch kaum m?glich, wenn man als Mensch irgendwie sachlich bleiben will. Die Spaltung der Gesellschaft und der deutliche &#8222;Rechtsruck mit nationalistischen Z?gen&#8220; hier in unserem Land, aber auch in Europa und anderen Teilen der Welt, lassen doch zur?ckdenken, wie die Situation vor etwa 100 Jahren war. Auch wenn das neue Jahrhundert andere Bedingungen aufweist, sind doch einige Parallelen nicht ganz zu negieren.<br \/>Jedenfalls war ich bei meinem Spontanbesuch am Dienstag den 25.06.24 neugierig, was uns die in der Regel jungen, internationalen K?nstler: innen zu dem von ihnen gew?hlten Thema zu sagen hatten. Das Infoblatt hatte ich vorab nicht gelesen, doch schon der Titel der Ausstellung rief meine Neugier auf den Plan! Er erinnerte mich spontan an Aktionen und Demonstrationen aus dem vergangenen Herbst\/Winter, die v.a. angesichts des o.g. Israel &#8211; Pal?stina &#8211; Konfliktes hier und anderswo in Deutschland unter der Losung &#8222;Nie wieder ist jetzt&#8220; stattfanden. Diese sollten sowohl die Solidarit?t und Verbundenheit mit dem israelischen Volk zeigen, die Erinnerung an den Holocaust wachhalten, als auch darauf hinweisen, dass der Antisemitismus gegenw?rtig ist. J?dische Menschsein Deutschland haben wieder Angst, was sich auch in Berlin deutlich zeigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich am Nachmittag des 25.06.24 die T?r zum B?renzwinger ?ffnete, war ich die einzige Besucherin, was auch ?ber die ca.1,5 Std. meines Aufenthalts so blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich mit der diensttuenden junge Frau einen kurzen Gru? austauschte, wurde ich direkt im Lichthof des Zwingers mit dem Teil &#8222;Haut&#8220; von Jakob Ganslmeier konfrontiert. Ich begriff, dass es hier um die Neo-Nazi-Szene der 1990er Jahre ging. Damals reagierten viele DDR-B?rger &#8211; auch ich &#8211; erstmal mit Entsetzen (v.a., wenn man nicht genauer dar?ber Bescheid wusste, dass es diese bereits im &#8222;Untergrund&#8220; auch vor 1990 gab). Bei den Menschen, die hier samt ihrer T?towierung diverser Symbole der Szene fotografisch dargestellt sind, handelt es sich um &#8222;Aussteiger&#8220;. In einer bereitliegenden Mappe konnte man ihre Lebensgeschichten, Motivationen, sich der Szene anzuschlie?en, nachlesen. Diese resultierten nicht selten aus einer Art &#8222;Verlorenheit&#8220;, Hilflosigkeit, Suche nach Anerkennung bzw. dem Wunsch nach Zugeh?rigkeit. Auch wenn sie von &#8222;EXIT-Deutschland&#8220; Unterst?tzung bekommen, erfordert es meines Erachtens Mut, sich loszusagen und verdient durchaus Anerkennung!<\/p>\n\n\n\n<p>Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildeten die beiden Videoinstallationen im mittleren Zwinger. In Zusammenarbeit mit Ana Zibelnik stellte Ganslmeier unter den Titeln &#8222;Strong is beautiful&#8220; und &#8222;War Room&#8220; Propagandamaterial v.a. aus der NS-Zeit dem der Gegenwart gegen?ber:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>So Ausschnitte aus damaligen &#8222;Wochenschauen&#8220;, die man im Kinovorprogramm sah (u.a. zur &#8222;Herrenmenschen- und Rassentheorie&#8220;, zum &#8222;Soldatenalltag&#8220; abseits der Schlachten&#8220;, Zerstreuung und Am?sement im &#8222;Heimatland&#8220; usw.). Die Masse der Deutschen sollte f?r den Krieg motiviert werden, im sp?teren Verlauf ging es eher um Durchhalteparolen an den Fronten sowie &#8222;zu Hause&#8220;. All das m?ndete auch bildlich in der uns bekannten Verzweiflung und Zerst?rung, woraus nach Kriegsende der Ruf &#8222;NIE WIEDER&#8220;? entstand. Die ?berlebenden des Krieges und v.a. wir Nachgeborenen glaubten, dass es f?r sehr lange Zeit ein friedliches Miteinander geben w?rde, was selbst ?ber die Jahre des sogenannten &#8222;Kalten Krieges&#8220; (2. H?lfte der 1940er &#8211; Anfang 1990er Jahre) so zu bleiben schien. Nat?rlich wurden all die Kriege und Krisen die &#8222;weit weg&#8220; waren wahrgenommen, aber eben nicht &#8222;hautnah&#8220;!<\/li>\n\n\n\n<li>Die zeitgen?ssischen Videos widerspiegeln die ausgekl?gelten Tricks modernster Medienvielfalt, welche wesentlich schneller Massen von Menschen erreichen und immer die Frage offenlassen: &#8222;Wahrheit oder Fake News&#8220;? Unsicherheiten und ?ngste sind sozusagen auch hier &#8222;hautnah&#8220;! von Populisten geschickt genutzt zur Spaltung der Gesellschaften, was u.a. Rechtsruck, Nationalismus und Kriege bef?rdert, die derzeit unsere Gegenwart im 21. Jh. pr?gen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im rechten Gehege pr?sentiert Laura Fiorios anhand von Familienfotos und Gegenst?nden der 1930er\/40er Jahre, unterst?tzt von Projektoren der damaligen Zeit, sowie von der Decke des Raumes herabh?ngend ihr Projekt &#8222;My Fascist Grandpa&#8220;. Hier soll es v.a. um die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte, um Verdr?ngung etc. gehen. Das Projekt wurde &#8222;offen&#8220; gestaltet, sodass sowohl ?ber Aufrufe im Vorfeld der Ausstellung als auch nach Besuchen zum Mitmachen aufgerufen wurde. Die Geschichte des Ortes &#8222;B?renzwinger&#8220; (1939 er?ffnet) samt Hintergr?nden wurde ebenfalls nochmals kritisch &#8222;unter die Lupe&#8220; genommen. Erw?hnen m?chte ich unbedingt, dass auch der Verein &#8222;Berliner B?renfreunde e.V. die Fakten mehrfach thematisierte.<br \/>Im linken Gehege werden Portr?ts von Nationalsozialisten (v.a. solcher, die F?hrungspositionen hatten) auf durchscheinenden Textildrucken hintereinander geh?ngt und ?ber Projektoren so reflektiert, dass man kein konkretes Gesicht wirklich erkennen kann und somit Individualschuld und Kollektivschuld miteinander verschmelzen, was die Geschichtsaufarbeitung der NS-Zeit ?ber viele Jahre in gro?en Teilen unkonkret erscheinen lie? und auch der &#8222;Verdr?ngung&#8220; diente.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss f?hrte ich mit der freundlichen Diensthabenden noch ein kurzes Gespr?ch: Sie erz?hlte, dass sie polnische Wurzeln habe, Kunst in ihrer Heimat und in Leipzig studiert habe und meine Frage, ob sie sich in Berlin wohlf?hle diese bejahte! Wir waren uns sofort einig, dass man nicht vergessen darf und entsprechend der jeweiligen M?glichkeiten sich in der Gegenwart gegen Krieg, Hass und Spaltung positionieren muss!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Monika Schmidt, Juni 2024<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellung ?Nie wieder und jetzt?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[722,1,724,512,157,660,3,723,721],"tags":[],"class_list":["post-19322","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussteiger","category-allgemein","category-ausschnitte-aus-damaligen-wochenschauen","category-ausstellung","category-berliner-baerenzwinger","category-jahr-2024","category-topthema","category-videoinstallationen","category-nie-wieder-und-jetzt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19322"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19322\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19324,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19322\/revisions\/19324"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}