{"id":2369,"date":"2013-06-24T13:20:46","date_gmt":"2013-06-24T11:20:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/?p=2369"},"modified":"2017-01-02T19:23:53","modified_gmt":"2017-01-02T18:23:53","slug":"der-berliner-kilometerstein-vom-frankfurter-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/der-berliner-kilometerstein-vom-frankfurter-kreuz\/","title":{"rendered":"Der Berliner Kilometerstein vom Frankfurter Kreuz"},"content":{"rendered":"<p>Bericht von Reiner Ruppmann vom Verein Autobahngeschichte<!--more--><strong>Der Berliner Kilometerstein vom Frankfurter Kreuz und weitere Gedenksteine an den Bundesautobahnen<\/strong><\/p>\n<p>Der Zufall f\u00fchrte zur Erforschung eines l\u00e4ngst verschwunden geglaubten Relikts aus der Zeit der fr\u00fchen Bundesrepublik Deutschland und des \u00b4Kalten Krieges\u2019. Der hier beschriebene Autobahn-Kilometerstein mit der Aufschrift \u201eBERLIN 700 km\u201c wurde &#8211; soweit heute noch feststellbar &#8211; im Jahr <span style=\"text-decoration: line-through;\">1960<\/span> 1954 zwischen Pforzheim-West und Pforzheim-Ost bei km 244,2 (alt) auf dem Mittelstreifen der heutigen Bundesautobahn A8 <span style=\"text-decoration: line-through;\">zwischen den Anschlussstellen Heimsheim und Pforzheim ungef\u00e4hr bei Betriebskilometer 245,0 (ALT)<\/span> aufgestellt. Die Aufnahme zeigt ihn freistehend ohne Sichtbehinderung durch Schutzplanken.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<br \/>\nBild 1 Berliner Kilometerstein auf der A8, Fahrtrichtung Karlsruhe, um 1955 <span style=\"text-decoration: line-through;\">1960<\/span>, (Quelle und Fotograf unbekannt)<\/p>\n<p>Dieser Standort war jedoch nicht von Dauer. Ein sp\u00e4teres Foto zeigt den Stein, eingeklemmt zwischen Schutzplanken auf <span style=\"text-decoration: line-through;\">einem<\/span> dem schmalen Mittelstreifen vor einem dem Br\u00fcckenpfeiler einer Autobahn\u00fcberf\u00fchrung <span style=\"text-decoration: line-through;\">(ehemalige Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberf\u00fchrung \u00fcber die A8 bei Pforzheim?)<\/span>. Eine genaue Positionsangabe ist mangels Unterlagen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dieser Kilometerstein wurde 5.Oktober 1958 &#8211; im Beisein von Willy Brandt s\u00fcdlich des Frankfurter Kreuzes bei Strecken-Kilometer 499,0 errichtet. [1] Er stand auf dem Mittelstreifen der Autobahn Richtung Kassel. Er hat folgende Ma\u00dfe: H\u00f6he 120 cm, Breite 88 cm, Tiefe 30 cm. Nach Aussage eines Mitarbeiters der Stra\u00dfen- und Autobahnmeisterei Frankfurt am Main stand er in Fahrtrichtung Nord zwischen der Hauptfahrbahn und der Parallel-Fahrbahn f\u00fcr den Abbiegeverkehr.<\/p>\n<p>Die hessische Stra\u00dfenbauverwaltung barg den Kilometerstein Anfang der 1970er Jahre vor dem ersten Umbau des Frankfurter Kreuzes und transferierte ihn auf Anregung des damaligen Leiters der gerade neu erbauten Stra\u00dfen- und Autobahnmeisterei an den heutigen Standort.<br \/>\nDer nach Abschluss der Umbauarbeiten etwa 1971 an gleicher Stelle errichtete Nachfolgestein zerbrach in zwei Teile, als er 1995 im Zuge der Vorbereitungen zur grundlegenden Neugestaltung des Frankfurter Kreuzes abger\u00e4umt werden sollte; die beiden H\u00e4lften landeten im Bauschutt.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholder<br \/>\nBild 2 <span style=\"text-decoration: line-through;\">Wie die Abbildung zeigt,<\/span> Zweiter Standort des Kilometersteins auf der A 8, Fahrtrichtung Karlsruhe (Foto Katz)<\/p>\n<p>Im Zuge des Ausbaus der A8 zwischen Pforzheim und Dreieck Leonberg musste der Stein entfernt werden und fand im Einfahrtbereich der Autobahnmeisterei Heimsheim einen neuen Standort. Aufgrund der Aufl\u00f6sung der Autobahnmeisterei Heimsheim (sie war 1941 errichtet worden und stand zuletzt unter Denkmalschutz; inzwischen hat das Land Baden-W\u00fcrttemberg die Anlage verkauft) verlagerte die Autobahnverwaltung den Kilometerstein in die Zufahrt zur Autobahnmeisterei Ludwigsburg an der A81 Leonberg &#8211; Heilbronn.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr die Berliner Kilometersteine hatte der Hamburger Verleger und CDU-Politiker, Gerd Bucerius. Er geh\u00f6rte von September 1949 bis Februar 1962 dem deutschen Bundestag an und war w\u00e4hrend der ersten Wahlperiode 1949 &#8211; 1953 Vorsitzende des Berlin-Ausschusses. Die Planung sah vor, auf allen Autobahnen im Abstand von jeweils 100 km \u201eBerliner Meilensteine\u201c zu platzieren. Die Mittel f\u00fcr die Aktion stammten aus dem Bundeshaushalt. Die vom Bund mit der Verwaltung der Autobahnen beauftragten L\u00e4nder mussten nur die Kosten f\u00fcr die \u00f6rtliche Aufstellung tragen.<\/p>\n<p>Das Meilenstein-Motiv, ein das Stadtwappen symbolisierender, stilisierter Berliner B\u00e4r, stammt von der Berliner Bildhauerin Ren\u00e9e Sintenis. Sie schuf auch die Skulptur des B\u00e4ren f\u00fcr die Berliner Filmfestspiele und ferner die 1957 auf dem Mittelstreifen der heutigen A 115 bei Dreilinden aufgestellte B\u00e4renplastik. Ein Prototyp &#8211; ohne Kilometerangabe &#8211; ist vor der Rene\u00e9-Sintenis-Grundschule in der Gr\u00fcnanlage am Laurinsteig in Berlin-Frohnau zu sehen. [2]<\/p>\n<p>An den deutschen Autobahnen blieben erfreulicherweise mehrere Berliner Gedenksteine erhalten. Am 30.01.1954 fand die Einweihung des auf dem Mittelstreifen der heutigen BAB A2 bei km 349,680 zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Oelde platzierten Meilensteins Spexard (Aufschrift: Berlin 400 km) statt; der Stein steht jetzt seitlich der Richtungsfahrbahn Berlin. [3] Am 15. Juni 1958 wurde der Gedenkstein am Ende der Autobahn K\u00f6ln &#8211; Aachen (heute BAB A4) enth\u00fcllt (Aufschrift: Berlin 623,5 km). [4] Ein Erinnerungsstein ist noch heute n\u00f6rdlich von M\u00fcnchen an der Einfahrt zur Rastst\u00e4tte K\u00f6schinger Forst (Fahrtrichtung N\u00fcrnberg) zu besichtigen; er tr\u00e4gt die Aufschrift \u201eBerlin 500 Kilometer\u201c. [5] Im Jahr 1964 wurde n\u00f6rdlich der Autobahnanschlussstelle zur A9 M\u00fcnchen-Freimann eine Bronzestatue aufgestellt (vermutlich die gleiche Skulptur wie der sogenannte \u201eZehlendorfer B\u00e4r\u201c vor dem Zehlendorfer Kreuz). [6] Einen weiteren \u00b4Autobahn-Meilenstein\u2019 haben die Berliner B\u00e4renfreunde bei km 149,850 auf dem Mittelstreifen ca. 1,350 km vor der Anschlussstelle K\u00f6nigslutter in Fahrtrichtung Berlin geortet. [7]<\/p>\n<p>Alle Entfernungsangaben auf den Meilensteinen bezogen sich auf den preu\u00dfische \u201eNull-Meilenstein\u201c, der seit 1730 als Referenzpunkt auf dem ehemaligen Berliner D\u00f6nhoffplatz stand. 1979 wurde eine Kopie des \u201eNull-Meilensteins\u201c nahe den Spittel-Kolonnaden an der Leipziger Stra\u00dfe in Berlin errichtet, weil der Ursprungsstein dem Bau des Palastes der Republik weichen musste. [8]<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit der Wende verloren die \u201eBerliner Meilensteine\u201c ihre Funktion. Ihre Bedeutung hatte aber schon im Kontext der Entspannungspolitik in den 1970er Jahren nachgelassen.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte wird \u00fcber ihr Netzwerk untersuchen, ob solche Gedenksteine an weiteren Autobahnen oder im Verborgenen auf den H\u00f6fen von Autobahnmeistereien existieren. Es ist zu hoffen, dass die Stra\u00dfenbauverwaltungen der einzelnen Bundesl\u00e4nder solche Erinnerungssteine bei allf\u00e4lligen Bauma\u00dfnahmen an den Autobahnen sichergestellt und an geeigneten Orten aufbewahrt haben &#8211; siehe das Beispiel Frankfurt.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Zur Einweihung des ersten \u00b4Berliner-B\u00e4ren-Meilensteins\u2019 siehe Der Spiegel 4\/1954 vom 20.01.1954; Die Zeit Nr. 3\/1954. Zum Frankfurter Gedenkstein siehe auch Berliner Zeitung vom 26.10.2010.<\/p>\n<p>[2] Vgl. Stichwort \u201eBerliner B\u00e4r\u201c bei http:\/\/www.wikipedia.org<\/p>\n<p>[3] Der Berliner B\u00e4r &#8211; Mitteilungen des Vereins der Berliner B\u00e4renfreunde e.V. Nr. 42 I. Quartal 2011, 28f.<\/p>\n<p>[4] Der Berliner B\u00e4r &#8211; Mitteilungen des Vereins der Berliner B\u00e4renfreunde e.V. Nr. 42 I. Quartal 2011, 18f.<\/p>\n<p>[5] Vgl. dazu das Stichwort \u201eBerliner B\u00e4ren auf der Autobahn\u201c auf dieser Homepage sowie die Homepage der Berliner B\u00e4renfreunde e.V. https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/. Der Verein \u201eBerliner B\u00e4renfreunde e.V.\u201c best\u00e4tigte mit E-Mail vom 27.04.2013, dass der Stein dort noch steht.<\/p>\n<p>[6] Siehe Stichwort \u201eBAB A9\u201c bei http:\/\/www.wikipedia.org und Der Berliner B\u00e4r &#8211; Mitteilungen des Vereins der Berliner B\u00e4renfreunde e.V. Nr. 34, 1. Quartal 2009, S. 23.<\/p>\n<p>[7] Der Berliner B\u00e4r &#8211; Mitteilungen des Vereins der Berliner B\u00e4renfreunde e.V. Nr. 51, 2. Quartal 2013, S. 28.<\/p>\n<p>[8] Siehe dazu die Ergebnisse der Berliner Forschungsgruppe Meilensteine http:\/\/www.wikipedia.org .<\/p>\n<p><strong>\u00a9 Reiner Ruppmann, Bad Homburg, April 2013<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.autobahngeschichte.de\" target=\"_blank\">www.autobahngeschichte.de<\/a><\/p>\n<p>Die Initiative von Michael Damm, Berliner Meilensteine, stellte schon am 15. April 2011 f\u00fcr diesen Stein an seinem heutigen Standort in der Autobahmeisterei Frankfurt einen Antrag auf Denkmalschutz. Mehr Informationen dazu unter&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.berliner-meilensteine.de\" target=\"_blank\">www.berliner-meilensteine.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/steine-der-solidaritaet--berlin-ist-keinen-hinweis-wert,1472798,4826900.html\" target=\"_blank\">Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 11.11.2010<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/steine-der-solidaritaet--berlin-ist-keinen-hinweis-wert,1472798,4826900.html\" target=\"_blank\">Leserbrief von Christa Junge zum Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 11.11.2010<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von Reiner Ruppmann vom Verein Autobahngeschichte<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,23,33,12,43,49,3],"tags":[],"class_list":["post-2369","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-berliner-bar","category-berliner-meilensteine","category-fragen_und_antworten","category-jahr-2013","category-kunstler","category-topthema"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2369","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2369"}],"version-history":[{"count":43,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2369\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8528,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2369\/revisions\/8528"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2369"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2369"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2369"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}