{"id":2822,"date":"2014-03-15T11:20:11","date_gmt":"2014-03-15T09:20:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/?p=2822"},"modified":"2014-03-17T20:53:03","modified_gmt":"2014-03-17T18:53:03","slug":"die-verkehrssaule-mit-berliner-bar-spandau-1937-1958","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/die-verkehrssaule-mit-berliner-bar-spandau-1937-1958\/","title":{"rendered":"Die Verkehrss\u00e4ule mit Berliner B\u00e4r Spandau 1937-1958"},"content":{"rendered":"<p>In Spandau existierte von 1937 bis 1958 ein einmaliges Objekt der Verkehrsgeschichte.<!--more--><strong>In Spandau existierte von 1937 bis 1958 ein einmaliges Objekt der Verkehrsgeschichte.<\/strong><\/p>\n<p><em>von: Rolf Zimmermann\u00c2\u00a0<\/em><\/p>\n<p>In der Tradition der Meilensteine entstand im Grimnitzseepark 1937 eine gemauerte S\u00e4ule mit Keramikverkleidung zum Zwecke der modernen Tourismuswerbung. Die ca. 4 Meter hohe S\u00e4ule wurde vom Kunstbildhauer Gottfried Kappen (1906 &#8211; 1981) aus Finkenkrug entworfen, der auch die farbenpr\u00e4chtigen Bildplattenkacheln herstellte.<\/p>\n<p>Den Auftrag dazu erhielt er vom Inhaber der Veltener Firma \u201eOfenfabrik und Keramische Werkst\u00e4tte A. Schmidt-Lehmann und Co.\u201c Herrn Otto Schmidt.\u00c2\u00a0In dieser Produktionsst\u00e4tte, welche heute auch das \u201eOfen- und Keramikmuseum Velten\u201c beherbergt, wurden die 18 Bildplattenkacheln der S\u00e4ule, die 3 Wappen, die Weltkugeln mit dem umschlie\u00dfenden Band mit den 12 Sternzeichen und die restlichen Verkleidungskacheln hergestellt.<\/p>\n<p>Die Idee ein Tourismuswerbeobjekt an der damaligen Stadtgrenze von Berlin aufzustellen soll vom damaligen Museumsleiter aus Velten Herrn Peter stammen. In Herrn Tieck, dem hauptamtlichen Leiter des \u201eBerliner Verkehrsverein e.V.\u201c St\u00fctzpunkt Spandau, Sitz Rathaus Zimmer 224 fand er einen interessierten und agilen Partner.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1937 wurden alle Vorbereitungen, Planungen, Absprachen mit dem Kunstbildhauer Kappen und nat\u00fcrlich mit Herrn Schmidt. durchgef\u00fchrt und beendet.\u00c2\u00a0Alles war vorbereitet, der K\u00fcnstler Kappen hatte ein Modell der S\u00e4ule hergestellt, der Standort in der N\u00e4he der Einm\u00fcndung der Pichelsdorfer Stra\u00dfe zur Heerstra\u00dfe war gekl\u00e4rt, die Stadtobrigkeit von Spandau war begeistert und der B\u00fcrgermeister lie\u00df sich regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Sachstand berichten.<\/p>\n<p>Die Zielstellung &#8211; Tourismuswerbung f\u00fcr Spandau und das Havelland war f\u00fcr alle Beteiligten die klar ersichtliche Motivation.\u00c2\u00a0Nur die Finanzierung war noch nicht gekl\u00e4rt.\u00c2\u00a0Herr Tieck wurde im Fr\u00fchjahr 1937 sehr aktiv in der Sponsorensuche f\u00fcr die S\u00e4ule.\u00c2\u00a0Es gelang ihm aber nicht in den Kreisen der Spandauer Unternehmen, Verm\u00f6genden und staatlichen Einrichtungen finanzielle Unterst\u00fctzung zu finden.\u00c2\u00a0Aus diesem Grunde reiste er mehrfach nach Velten, um mit Herrn Schmidt die Vollendung dieser Werbeaktion zu besprechen und anschlie\u00dfend seinem B\u00fcrgermeister Bericht zu erstatten.<\/p>\n<p>Im Mai 1937 erkl\u00e4rte dann Herr Schmidt offiziell, dass er die gesamte Finanzierung \u00fcbernimmt und die Keramische Verkehrss\u00e4ule nach der Fertigstellung dem \u201eBerliner Verkehrsverein e.V.\u201c schenken wird. Damit war die Finanzierung gekl\u00e4rt und\u00c2\u00a0das Objekt konnte vollendet werden.\u00c2\u00a0Die Bauausf\u00fchrung der S\u00e4ule f\u00fchrte die Firma \u201eHermann Puttlitz, Inhaber Emil Ende, Berlin 31, Brunnenstra\u00dfe 135\u201c durch. Dies geschah in einer sehr guten Qualit\u00e4t und in kurzer Zeit. Die architektonische Gestaltung erfolgte durch das Hochbauamt Spandau und die Umfeldgestaltung der S\u00e4ule durch das Tiefbauamt Spandau.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass die Abrechung der Umfeldgestaltung zur Verkehrss\u00e4ule geringer wie der Kostenvoranschlag dazu ausfiel. F\u00fcr heutige Zeiten ein positives Beispiel. Zur weiteren Umfeldgestaltung wurde das Gartenamt Spandau bestimmt. P\u00fcnktlich zur geplanten Einweihung am 01.06.1937 waren alle Arbeiten beendet.<\/p>\n<p>Herr Tieck erarbeitete f\u00fcr die Presse ( offensichtlich 1937 nur Herren und keine Damen in diesem Beruf ) eine Pressemitteilung, die in den folgenden Tagen und Wochen die Grundlage f\u00fcr eine sehr weit verbreitete Berichterstattung \u00fcber dieses Ereignis im gesamten damaligen Reichsgebiet bildete.<\/p>\n<p>Die Einweihung der \u201eKeramischen Verkehrss\u00e4ule Spandau\u201c erfolgte dann am 01.06.1937 vor Ort und anschlie\u00dfend mit einem Umtrunk und Festakt im Ratskeller Spandau mit ca. 40 geladenen G\u00e4sten. Aus der Einladungsliste zu diesem Akt ist zu ersehen, dass mehrere Personen eingeladen wurden, welche als Sponsoren abgelehnt hatten.\u00c2\u00a0Der Sponsor Herr Schmidt hatte sich Folgeauftr\u00e4ge f\u00fcr gleiche, fast gleiche oder \u00e4hnliche Objekte zur Verkehrswerbung in Berlin erhofft, die aber in der Folgezeit nicht erfolgten.\u00c2\u00a0Die Verkehrss\u00e4ule hat einen gemauerten Korpus (voll gemauert, ohne Hohlr\u00e4ume) ist sechseckig und war vollst\u00e4ndig mit Kacheln verkleidet.<\/p>\n<p>Die S\u00e4ule war mit 18 farbenpr\u00e4chtigen plastischen Bildplattenkacheln in der Gr\u00f6\u00dfe 50 X 30 cm versehen. Diese Kacheln zeigten Motive aus dem Havelland und der Geschichte Spandaus.<\/p>\n<p><strong>Zwischen den in 3 Ebenen angebrachten Kacheln waren umlaufend zwei Spruchb\u00e4nder eingearbeitet:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 13px;\">Obere Schrift:\u201c BESUCHT SPANDAU &#8211; AUSKUNFT VERKERHRSVEREIN SPANDAU RATHAUS\u201c<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 13px;\">Untere Schrift:\u201c GESTIFTET U.AUSGEF\u00dcHRT VON DER OFENFABRIK U. KERAMISCHEM WERKST\u00c4TTEN A. SCHIDT-LEHMANN U.CO.INH.OTTO SCHMIDT IN VELTEN.\u201c<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>An der Bekr\u00f6nung der S\u00e4ule waren 3 Wappen angebracht:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 13px;\">Das<\/span><span style=\"font-size: 13px;\"> Stadtwappen von Spandau.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 13px;\">Das Stadtwappen von Velten.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 13px;\">Das Wappen des \u201eBerliner Verkehrsverein e.V.\u201c ( ein Berliner B\u00e4r).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Abschluss der S\u00e4ule bildete eine Erdkugel (70 cm Durchmesser)in der Farbe Gelb mit einem umlaufenden blauen Band mit den 12 Sternzeichen.\u00c2\u00a0Diese Kugel galt 1937 als Meisterleistung der Keramikherstellung. Sie wurde in einem St\u00fcck aus ca. 2 qm Ton hergestellt und war \u201ekugelrund\u201c ohne Fehler.\u00c2\u00a0Um die S\u00e4ule wurde 1937 eine Gr\u00fcnanlage angelegt.\u00c2\u00a0Die sechseckige Form wurde \u00fcbernommen, es wurden Sitzb\u00e4nke aufgestellt und entsprechende Hecken angepflanzt und gepflegt.\u00c2\u00a0Dieses einmalige und einzigartige Denkmal der Verkehrswerbung in Berlin wurde in den folgenden Jahren in allen Fremdenf\u00fchrern, Denkmallisten und Aufz\u00e4hlungen von Sehensw\u00fcrdigkeiten in Berlin verewigt.<br \/>\nEs wurde zu einem echten Objekt der Berliner Tourismuswerbung.<\/p>\n<p>Im Ergebnis der Kriegshandlungen 1944 und 1945 wurde die S\u00e4ule durch Splitter und offensichtlich Einsch\u00fcsse besch\u00e4digt. Im Grundbestand hatte sie aber nur geringen Schaden genommen. Die statische Festigkeit war sehr gut, alle Bildplattenkacheln und die Erdkugelwaren vorhanden und unterschiedlich besch\u00e4digt. Von der S\u00e4ule ging im baulichen Sinne niemals eine Gefahr aus.<\/p>\n<p>Beginnend ab 1957 wurde in der Presse und im Bezirksamt Spandau heftig \u00fcber die Zukunft der S\u00e4ule bzw. \u00fcber den Umgang mit ihr gestritten.\u00c2\u00a0Innerhalb des Bezirksamtes wurden mehrere Gremien bem\u00fcht \u00fcber die Zukunft der S\u00e4ule zu entscheiden. Der erste Antrag zum Abriss erfolgte in der Bezirksverordnetenversammlung am 18.04.1957. Das angeforderte und erstellte baupolizeiliche Gutachten dazu dokumentierte den guten baulichen Zustand und den Fakt, dass von der S\u00e4ule keine Gefahr ausgeht.\u00c2\u00a01957 wurde ein Kostenvoranschlag zur Reparatur der S\u00e4ule f\u00fcr 5000.-DM erarbeitet.\u00c2\u00a0Im Fr\u00fchjahr 1958 wurden die Sitzb\u00e4nke um die S\u00e4ule erneuert.\u00c2\u00a0Im Februar 1958 wurde erstmals im Bezirksamt der Abriss der S\u00e4ule beschlossen. In diesem Beschluss wurde auch vermerkt, dass die Keramikplatten und die Kugel geborgen werden sollen und im Heimatmuseum eingelagert werden sollen.\u00c2\u00a0Gleichzeitig wurde ein k\u00fcnstlerischer Wettbewerb ausgelobt, um an die alte Stelle eine neue S\u00e4ule als modernes Kunstwerk zu errichten. Drei Vorschl\u00e4ge wurden in die engere Wahl gezogen, aber niemals verwirklicht.<\/p>\n<p>Aus einem Protokollauszug vom April 1958 ist ersichtlich \u201e praktisch ist die S\u00e4ule nicht mehr vorhanden\u201c.\u00c2\u00a0Da die Diskussion um die S\u00e4ule noch sehr aktiv war wurde am 07.07.1958 im Bezirksamt wieder der Beschluss gefasst: \u201cDie Keramiks\u00e4ule an der Heerstra\u00dfe Ecke Pichelsdorfer Stra\u00dfe soll nunmehr abgetragen werden. Das brauchbare Material ist zu verwahren.\u201c\u00c2\u00a0Zu diesem Zeitpunkt existierte die S\u00e4ule schon 3 Monate nicht mehr.\u00c2\u00a0Es wurden Fakten geschaffen.<\/p>\n<p>Welche Teile der Verkehrss\u00e4ule geborgen und eingelagert wurden ist kaum dokumentiert und v\u00f6llig offen.\u00c2\u00a0Aus der Presse ist 1963 zu entnehmen, dass die Kugel und zwei heile Kacheln im Stadtarchiv in Spandau vorhanden seien.\u00c2\u00a0In einem Vermerk des Museum Spandau vom 06.8.1980 zur Suche nach diesen Teilen ist vermerkt, dass 2 Kacheln vorhanden sind. Die Kugel wird schon nicht mehr erw\u00e4hnt.\u00c2\u00a0Die Nachforschungen zum Wiederaufbau der Verkehrss\u00e4ule seit 2011 erbrachten bisher folgendes Ergebnis.<br \/>\nIm Archiv des Stadtmuseums Spandau lagern 5 Originalplatten und zwei Verkleidungskacheln. Die Kugel ist nicht vorhanden.\u00c2\u00a0Im Ofen und Keramikmuseum Velten befinden sich eine Originalkachel und 3 Abg\u00fcsse von Originalkacheln.<\/p>\n<p>Die Keramische Verkehrss\u00e4ule Spandau, als \u201cNachfolger\u201c und in der Tradition der Meilensteine steht beim Autor seit 2002 im Fokus. Seit 2012 wurden intensive Forschungen zu diesem Objekt durchgef\u00fchrt, um solide aussagekr\u00e4ftige Fakten f\u00fcr einen Wiederaufbau zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen. Diese Informationen sind nun vorhanden.<br \/>\nDie K\u00fcnstlergruppe \u201eCollage e.V.\u201c aus Berlin Friedrichshagen hat nach alten Fotos zu\u00c2\u00a015 Bildplattenkacheln Bilder gemalt, welche als Vorlagen zur Herstellung der Kacheln dienen k\u00f6nnen und sollen.\u00c2\u00a0Um einen optischen Eindruck von S\u00e4ule zu haben wurden zwei Holzmodelle angefertigt.\u00c2\u00a0Eines dieser Modelle kann im Rathaus in Spandau betrachtet werden, gemeinsam mit weiteren Fotos zum Objekt.\u00c2\u00a0Gemeinsam mit vielen Mitstreitern aus Spandau, Velten, dem Havelland und aus Berlin\u00c2\u00a0werden gegenw\u00e4rtig die Vorbereitungen zum Wiederaufbau dieses Denkmals durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Forschungsgruppe Meilensteine e.V. ist dabei durch den Autor an f\u00fchrender Stelle vertreten.\u00c2\u00a0Zur Umsetzung dieses Vorhabens ist nat\u00fcrlich eine solide Finanzierung notwendig.\u00c2\u00a0Auch daran wird gegenw\u00e4rtig gearbeitet und wir freuen uns \u00fcber jeden Sponsor.<\/p>\n<p>Ich hoffe, wir sehen uns bald im Grimnitzseepark in Spandau an der Verkehrss\u00e4ule.<\/p>\n<p>Rolf Zimmermann<br \/>\n<em>Berlin-Vehlefanz, 19.07.2013<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Spandau existierte von 1937 bis 1958 ein einmaliges Objekt der Verkehrsgeschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[53,3],"tags":[],"class_list":["post-2822","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jahr-2014","category-topthema"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2822"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2830,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2822\/revisions\/2830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}