{"id":8927,"date":"2017-03-22T17:56:26","date_gmt":"2017-03-22T16:56:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/?p=8927"},"modified":"2017-05-08T20:09:45","modified_gmt":"2017-05-08T18:09:45","slug":"darfs-ein-baer-mehr-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/darfs-ein-baer-mehr-sein\/","title":{"rendered":"Darf?s ein B?r mehr sein?"},"content":{"rendered":"<p>Aus den Sammlungen &#8211; Mitte Museum: Darf?s ein B?r mehr sein?<!--more--><strong>Aus den Sammlungen &#8211; Mitte Museum<\/strong><\/p>\n<p><strong>Souvenirs in Sammlungen kulturhistorischer Museen<\/strong><\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderAm Anfang war der B?r. Der Berliner B?r. Genauer gesagt, eine Souvenirfigur aus den 1970er-Jahren. Der Fund dieser Figur im Depot des Mitte Museums regte zu der Frage an, wie ein Berlin-Souvenir in die Sammlung eines Berliner Museums gelangt ist. Die Bestimmung eines Souvenirs ist doch eigentlich, den Ort zu verlassen, den es repr?sentiert, und nicht dort zu verbleiben.<\/p>\n<p>Die Berliner Souvenirbranche freut sich seit Jahren ?ber steigende Touristenzahlen. Eine riesige Auswahl an Andenken erwartet die Besucher der Stadt, f?r jeden Geschmack und in jeder Preisklasse. Auch die Museen haben sich diesem Trend nicht entziehen wollen &#8211; in den Museumsshops nehmen Souvenirs mittlerweile einen festen Platz ein. Doch sind sie auch in den musealen Sammlungen vertreten?<\/p>\n<p>Bei der Sichtung der Sammlung nach weiteren Gegenst?nden mit Souvenir-Charakter kamen letztlich mehr als einhundert Objekte unterschiedlicher schiedlicher Art zusammen, deren Entstehungszeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart reicht. Als Souvenir wurde dabei jeder Gegenstand definiert, der mit der Intention hergestellt worden ist, an einen Ort, ein Ereignis oder eine Person zu erinnern bzw. einen Ort zu repr?sentieren.<\/p>\n<p>Alle diese Gegenst?nde haben gemein, dass sie im Bezug zum heutigen Berliner Bezirk Mitte stehen und somit zu den materiellen Zeugnissen der Bezirksgeschichte geh?ren, deren Erforschung und Darstellung den Schwerpunkt des Mitte Museums bilden. Berlin-Souvenirs sind dabei ebenso vertreten wie Reiseandenken an Orte, die von den Berlinern besucht wurden. Einige dieser Objekte erz?hlen pers?nliche Geschichten, geben Einblick in die Alltags- oder Reisekultur. Andere erinnern an historische Ereignisse oder politische Entwicklungen und spiegeln die Geschichte der Hauptstadt. Damit laden sie ihrerseits die Betrachter zu einer Reise ein &#8211; einer ?Zeitreise? in die Berliner Vergangenheit.ngg_shortcode_1_placeholder<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderSo erinnert eines der ?ltesten Souvenirs in der Sammlung, ein bemalter Pfeifenkopf aus Porzellan aus dem 19. Jahrhundert, an die ber?hmte Kroll-Oper im Tiergarten. Angefertigt in kleiner Auflage, waren solche hochwertigen Andenken den gutsituierten B?rgern vorbehalten. Im Vergleich dazu erscheinen die Reiseandenken einer Berlinerin aus den 1950er- bis 1960er-Jahren vertrauter, da wir sie in ?hnlicher Form auch heute noch kennen: kleine Mitbringsel wie Miniaturhumpen, Gl?ckchen oder Anstecker mit aufgedruckten Ortsnamen. Auf den ersten Blick nur eine Sammlung von Nippes, stehen diese Gegenst?nde in ihrer Gesamtheit f?r ein Kapitel einer Lebensgeschichte. Zugleich belegen sie die Vielfalt der industriell gefertigten Andenken in Zeiten des zunehmenden Massentourismus.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderngg_shortcode_4_placeholderZwei Berlin-Souvenirs aus den 1970er-Jahren repr?sentieren jeweils eine H?lfte der geteilten Stadt. Ein Schreibset in Form des Berliner Fernsehturms vertritt hier Ost-Berlin. Die Hauptstadt der DDR erhielt mit der Errichtung des Fernsehturms 1969 ein neues Wahrzeichen, welches als Symbol der Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus fortan in der Selbstdarstellung der Stadt allgegenw?rtig war. Die West-Berliner Senatsverwaltung setzte 1979 auf eine humorvolle Strategie des Stadtmarketings: Der ?Berliner mit F?llung?, ein Pfannkuchen aus Blech, enthielt ein B?chlein mit Informationen ?ber die Stadt und sollte diese den Bundesb?rgern als attraktives Reiseziel ?schmackhaft? machen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_5_placeholderEine Tasche mit dem Aufdruck ?I love Berlin? aus den 2000er-Jahren scheint zun?chst nur ein weiteres Massenerzeugnis aus der breiten Palette der heutigen Souvenirproduktion zu sein. Der Name des ?geliebten? Ortes ist genauso austauschbar wie die Produktform, auf die er gedruckt wird. Das Besondere an dieser Tasche ist ihre Geschichte. Sie wurde von einer Berlinerin t?rkischer Herkunft getragen und von ihr bewusst als Zeichen ihrer Identifikation mit der Stadt eingesetzt. Aus der klassischen Botschaft des Souvenirs ?Ich war dort? wurde die Aussage ?Ich bin hier. Hier bin ich zu Hause?.<\/p>\n<p>Schon diese wenigen Beispiele veranschaulichen, dass Souvenirs als kulturelles Ph?nomen ein spannendes Forschungsfeld bieten. Als Sammlungsobjekte in Museen geben sie Einblicke in die Alltags-, Tourismus- und Industriegeschichte, zeugen von Moden wie von Strategien des Stadtmarketings oder der Wahrnehmung eines Ortes im Wandel der Zeit. Betrachtet man das private Sammeln von Souvenirs, weist es eine bemerkenswerte Parallele zur museologischen Praxis auf. Ein Souvenir wird f?r seinen Besitzer zum Zeugnis einer Geschichte, welche bewahrt, ausgestellt und vermittelt werden will.<\/p>\n<p>Gelangt ein Souvenir aber in die Sammlung eines Museums, verliert es diese emotionale Energie. Im Museum wird es zum Repr?sentanten f?r ein Segment der materiellen Kultur, wenn seine individuelle Geschichte nicht dokumentiert wird. In einer Ausstellung wiederum kann ein solches Objekt als Vermittler von (Kultur-)Geschichte ein zus?tzliches emotionales Potenzial entfalten &#8211; wenn es beim Betrachter eigene Erinnerungen oder Assoziationen ausl?st.<\/p>\n<p>Souvenirs verbinden die individuelle Erinnerung mit dem kollektiven Ged?chtnis, und genau diese Verbindung macht Souvenirobjekte als Sammelgebiet f?r kulturhistorische Museen so interessant. Doch bei der Menge, Vielfalt und Austauschbarkeit der angebotenen Souvenirs stellt sich die Frage, was davon f?r ein Museum sammelnswert sein kann. Wo sind die Grenzen? Wenn es gerade die massenhaft produzierten Souvenirs sind, die den heutigen Massentourismus repr?sentieren, sollten dann nicht ganze Produktserien in die Sammlungen aufgenommen werden &#8211; also lieber ein B?r mehr?<\/p>\n<p>Antworten auf diese Fragen zu finden, ist eine ?hnlich gro?e Herausforderung wie die grunds?tzliche Frage, die kulturhistorische Museen heute besch?ftigt: Wie sammelt man Gegenwart?<\/p>\n<p>Fotos:<br \/>\nBerliner B?r, 1961-72. Kunststoff, Metall, Papier, 13 \u00d7 7 \u00d7 5 cm. Mitte Museum<\/p>\n<p>Reiseandenken aus dem Nachlass einer Berlinerin, 1950er- bis 1960er- Jahre. Holz, Metall, Kunststoff, Steingut, H?he: 3 bis 9 cm. Mitte Museum<\/p>\n<p>Pfeifenkopf mit Darstellung ?Kroll?s Garten?, nach 1844. Porzellanfabrik Schney, Porzellan, bemalt, 13 \u00d7 3,3 \u00d7 4 cm. Mitte Museum<\/p>\n<p>Metalldose ?Berliner? mit Buch ?Berlin in der Westentasche? von Peter- Lutz Kindermann, herausgegeben vom Verkehrsamt Berlin, Berlin (West), Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1979. 9 \u00d7 9 \u00d7 5 cm. Mitte Museum<\/p>\n<p>Umh?ngetasche, ca. 2003. Vinyl, 25 \u00d7 35 \u00d7 11,5 cm. Leihgabe, Mitte Museum<\/p>\n<p>Schreibset ?Fernseh- und UKW-Turm Berlin?, nach 1969. VEB Schreibger?tewerk Markant, Kunststoff, 25 \u00d7 11,2 \u00d7 13,5 cm. Mitte Museum<\/p>\n<p>Alle Fotos: Friedhelm Hoffmann<\/p>\n<h2>Julia Pomeranzewa<\/h2>\n<p>Die Autorin ist wissenschaftliche Volont?rin am Mitte Museum. Das Mitte Museum ist derzeit aufgrund einer umfassenden Sanierung des denkmalgesch?tzten Museumsgeb?udes geschlossen und wird 2018 wiederer?ffnet.<\/p>\n<h3>Anmerkungen:<\/h3>\n<p>(1) Zur Begriffsdefinition von Souvenir vgl. G?nter Oesterle: Souvenir und Andenken, in: Museum f?r Angewandte Kunst Frankfurt (Hg.): Der Souvenir. Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken, Frankfurt a. M. 2006, S. 16-45.<\/p>\n<p>(2) Das ?I love Berlin?-Logo ist von dem urspr?nglichen ?I love NY?-Logo abgeleitet, welches 1977 vom Grafikdesigner Milton Glaser im Rahmen einer Werbekampagne f?r New York entworfen wurde.<\/p>\n<p>(3) Dass Souvenirs ein fruchtbares Thema f?r Ausstellungen bieten, beweisen Projekte wie ?Der Souvenir. Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken? im Museum f?r Angewandte Kunst Frankfurt (2006) und ?Reiseandenken. Was vom Urlaub ?brig bleibt? im Schw?bischen Volkskundemuseum Obersch?nenfeld (2012).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erstver?ffentlichung im MuseumsJournal Berlin &amp; Potsdam 1\/2017 Januar &#8211; M?rz<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken Chefredakteurin des MuseumsJournals, Nina Szymanski und Julia Pomeranzewa f?r die Freigabe des Artikels<\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>Christa Junge<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Sammlungen &#8211; Mitte Museum: Darf?s ein B?r mehr sein?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,123,23,12,107,49,122,121,3,47],"tags":[],"class_list":["post-8927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-berlin-souvenirs","category-berliner-bar","category-fragen_und_antworten","category-jahr-2017","category-kunstler","category-mitte-museum","category-museumsjournal","category-topthema","category-wappentier"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8927"}],"version-history":[{"count":43,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9081,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8927\/revisions\/9081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-baerenfreunde.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}