Berliner Bärenfreunde e.V.

Mittwoch, 18. September 2019

80 Jahre Berliner Bärenzwinger

Foto © Fotografin Marlene Burz

Die bisher letzte Aktivität im Berliner Bärenzwinger fand am Samstag, den 17. August 2019 statt.

Es war eine Veranstaltung zum 80. Jahrestag des Bauwerks. Leider war der Besucherandrang nicht so groß wie bei den Kunstausstellungen, aber die Stühle waren alle besetzt und später kamen noch Besucher die stehen mussten.
Der Kurator Jan Tappe berichtete über die Ausstellungen die seit 2015 im Bärenzwinger stattfanden. Am Anfang war die Finanzierung nicht einfach, aber jetzt hat sich die Kunst im Berliner Bärenzwinger etabliert.

„Spuren, Architekturen, Projektionen“

Das Buch beschreibt die Kunstausstellungen im Berliner Bärenzwinger vom September 2017 bis 5. September 2018. Dazu gehört auch das Symposium zum Berliner Bärenzwinger im Märkischen Museum. Das Buch wurde angeboten.

Foto © Fotografin Marlene Burz

Die Kulturwissenschaftlerin Julia Pomeranzewa erzählte über den Umbau des Straßenreinigungsgebäudes von Ludwig Hoffmann. Das war ein tolles Gebäude mit öffentlicher Bedürfnisanstalt im Turm, mit vielen Bärenmotiven als Terrakotten mit Eimer und Besen in der Pfote, als umlaufendes Band.


Weil die Bürger von Berlin aber ihren Stadtbären nicht nur im Wappen haben wollten, sondern etwas fürs Herz, zum Liebhaben, wurde das Gebäude als „Grundlage“ für einen Bärenzwinger genommen. Einiges wurde abgerissen, die Ziegel wurden gereinigt und beim Aufbau wiederverwendet. Viele Gewerke waren am Umbau zum Berliner Bärenzwinger beteiligt.

 

Sigrid Schuldt

 

Christa Junge, Vorsitzende des Vereins der Berliner Bärenfreunde e.V., berichtete anschließend von den Bären die im Bärenzwinger lebten.

Am Anfang waren es Jule und Lotte aus dem Berliner Zoo und Urs und Vreni, die aus dem Berner Bärengraben (Schweiz) kamen.

1941 kam Purzel, genannt der Geschwaderbär, in den Berliner Bärenzwinger. Dabei wurden auch einige Anekdoten, die im Laufe der Jahre entstanden, erzählt. Die Pflegerinnen und Pfleger kümmerten sich immer liebevoll um „ihre“ Bären. Das war schon 1939 und auch bis zur letzten Stadtbärin Schnute so, die 2015 starb. Vater Porath, der bekanntest aller Pfleger, fütterte gerade Purzel mit der Flasche, er war gerade ein Jahr alt und an Menschen gewöhnt. Vreni, ein sehr große Bärin, versuchte einen Ausbruch, der zum Glück scheiterte, da er von einem Pfleger vereitelt werden konnte.

Während des zweiten Weltkrieges beantragte das Grünflächenamt Gewehre, da das Futter, welches für die Bären am Alexanderplatz angebaut wurde, vor Diebstählen (die Menschen hatten großen Hunger) geschützt werden musste.
Trotz der großen Not kamen viele Menschen und besuchten die Bären und brachten ihnen das wenige was sie hatten, damit diese keinen Hunger leiden mussten.

Als der Krieg sich dem Ende neigte, die Nahkämpfe und Bombardierungen näher rückten, erhielten auch die Pfleger ein Gewehr. Sie sollten im Notfall die Bären zu töten, damit sie keine Menschen angreiffen, sollte der Bärenzwinger zerstört werden.
Als in der Wallstraße das Märkische Museum bombardiert wurde und in der Rungestraße ebenfalls Bomben fielen und die Nahkämpfe näher rückten wurde auch der Bärenzwinger teilweise zerstört.

1945, zum Ende des Krieges fand man vier der Bären tot unter den Trümmern.

Lotte, die Bärin aus dem Zoo, fand man halb verhungert und verletzt unter den Trümmern. Sie wurde gerade noch rechtzeitig gerettet und im Berliner Zoo gehörte sie mit zu den ersten Tieren bei der Neueröffnung nach dem Krieg. Am 6. Februar 1971 starb sie.

Die Ruine des Bärenzwingers wurde mit Sand zugeschüttet und war so für die Kinder ein gefährlicher Spielplatz. Leider fanden einige Kinder noch scharfe Handgranaten, sie verletzten die Kinder schwer.

Der Berliner Magistrat ließ den Bärenzwinger 1949 wieder aufbauen. Er beauftragte den Ulmer Tierhändler Mohr zwei junge Bären aus dem berühmten Berner Bärengraben für Berlin zu kaufen.
Vielleicht lag es auch an den Anfängen der ehemaligen DDR, weil der Magistrat unbedingt auch als zweiten Besatz des Bärenzwingers im Köllnischen Park wieder Berner Bären wollte.
Und der Tierhändler Mohr aus Ulm hat die „Wunschbären“ geliefert! Er hat den Berliner Magistrat betrogen, der Transport aus Bern wäre viel teurer, als der von Leipzig nach Berlin.
Aber sie kamen, wie wir heute nach ausgiebiger Recherche wissen, nicht aus Bern sondern aus dem Leipziger Zoo. Nante und Jette bleiben im Gedächtnis und im Herzen der Berliner und Touristen, die Herkunft ist zweitrangig. Sie sind die bekanntesten Berliner Bären aus dem Bärenzwinger im Köllnischen Park.

Nach Ihrem Tod kamen Taps und Schnute 1981 aus Staßfurt in den Berliner Bärenzwinger, Schnute bekam ihre Tochter Maxi, mit der sie zusammen lebte. Taps wurde sehr krank und starb 1990. Als neuer „Bärenmann“ kam Tilo 1990 aus Bischofswerda zu ihnen.


Er verstand sich super mit Maxi und Schnute, aber mit Maxi kuschelte er mehr, sie spielten auch oft miteinander. 1994 überraschte er alle.
Trotz Kastration, gab es 1994 fünf Bärenjunge, da es bei Bären eine Eiruhe gibt. Schnutes Kinder heißen Rieke, Atze und Piefke und Maxis Kinder Bärolina und Alex.

Es war ein großer Hype am Bärenzwinger, tausende Besucher wollten die kleinen Bären sehen und das ohne Twitter und Instagram.

Es gab große Probleme, die Bärenkinder konnten nicht bleiben, es war einfach zu eng. Niemand wollte kleine Bärenkinder haben! Aber das Unmögliche gelang und Atze, Bärolina und Rieke kamen 1994 nach Buenos Aires, der Partnerstadt Berlins. Rieke wurde weitergegeben, wir konnten bis heute nicht herausfinden, wohin.
Piefke und Alex kamen 1994 in den spanischen Nationalpark Cabarenceo in Nordspanien.

Atze und Bärolina leben seit 2018 in Colorado in einem riesigen Tierschutzgebiet. Über die Bärenkinder in Colorado haben wir schon in diesem Jahre auf unserer Website berichtet.
Ob Piefke und Alex noch leben, können wir nicht 100%ig sagen, da sich die Bären die Ohrmarken an den Bäumen abgescheuert haben. Aber es gibt Fotos von Bären, sie haben eine große Ähnlichkeit mit Tilo.
Schnute war eine alte Bärin, die in der Öffentlichkeit starb. Das war eine schwierige Zeit für die Berliner. Seit Schnutes Tod am 11. Oktober 2015 im Alter von 34 Jahren stand der Bärenzwinger leer.

Seit 2017 nimmt sich die Kunst, mit wechselnden Ausstellungen, seiner an. Wir berichten regelmäßig darüber.

Der Berliner Bärenzwinger steht unter Denkmalschutz.

Christa Junge