Berliner Bärenfreunde e.V.

Montag, 21. Juni 2021

Annelies Rudolph – Bildhauerin

Annelies Rudolph
Bildhauerin aus Berlin- Zehlendorf

Im Juni 2012 hatte ich die Gelegenheit, die Bildhauerin Frau Annelies Rudolph in ihrem Atelier in Berlin Zehlendorf persönlich kennenzulernen.

Anlass war die Recherche unseres Vereins zu den Berliner Bären. Einer der beiden Berliner Bären in Helmstedt von 1962 wurde von ihr gestaltet. Wir berichteten in der Ausgabe unserer Vereinszeitung „Der Berliner Bär“ im II. Quartal 2011 darüber. Frau Rudolph zeigte aber sofort auf den zweiten Helmstedter Bären, der aus Bronze gegossen ist. So konnten wir den Irrtum, dass der weiße Bär aus Beton von ihr in Helmstedt gestaltet wurde, gleich aufklären.

Frau Rudolph sandte mir nachträglich vom Aufbau des Helmstedter Berliner Bären ein Foto von 1960/1961 zu. Der Bär erfuhr noch viele Veränderungen bis er vor dem Auge der Bildhauerin Frau Rudolph bestehen konnte. Die Fellstruktur, die Pfoten, die Schnauze, vieles war noch nicht perfekt und musste verändert werden. Er wurde in der Gießerei Füssel gegossen. Über den Bildhauer, Bronzegießer, Medailleur und Restaurator Hans Füssel berichteten wir schon im III. Quartal 2010.

Ein Abguss des Berliner Bären ging als Geschenk der Stadt Berlin an New Orleans-Berlin. Anlass war der Besuch von John F. Kennedy in Berlin.
Zum 15. Jahrestag der Berliner Luftbrücke am 26. Juni 1963 besuchte Kennedy West-Berlin. Vor dem Rathaus Schöneberg hielt er seine berühmte Rede, in der er an der Seite des damaligen Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt seinen berühmten Satz sagte: „Ich bin ein Berliner“.

Der Berliner Bär in Hof/ Bayern wurde ebenfalls von Frau Rudolph entworfen und ein Abguss des Helmstedter Berliner Bären wurde 1963 der Stadt Hof übergeben. Wir stellten ihn in unserer Vereinszeitung im III. Quartal 2009 vor.

Frau Rudolph hat sich inzwischen auf Portrait-Büsten spezialisiert. In ihrem Atelier trafen sich Schriftsteller, Opernsängerinnen, Schauspieler – sie alle saßen schon bei ihr Modell. Es entstanden Büsten von Fritz Kortner, Berta Drews 1984, Karl Raddatz, Rolf Hochhuth und Annabelle Bernard.

Die Bronzefigur von Ella Fitzgerald ist stehend, auf hohen Absätzen, sie trägt ein langes Kleid. 
Ein Denkmal für Bruno Taut, eine Reliefplastik auf Klinkerfundament, befindet sich im Entree der Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“ in Zehlendorf, Ecke Argentinische Allee und Riemeisterstraße, welches von Frau Rudolph geschaffen wurde.

Als es vor wenigen Monaten in einer Ausschreibung für ein Denkmal für Knut für den Berliner Zoo gesucht wurde, reichte Frau Rudolph einen Entwurf ein. Ihr Denkmal wurde nicht ausgewählt, dabei ist es mit den Fußabdrücken von Herrn Dörflein (dem „Ziehvater“ von Knut) und dem neugierig guckenden Knut so, wie viele Knut Anhänger ihn in Erinnerung haben.

Frau Annelies Rudolph wurde 1929 in Leipzig geboren. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule in Leipzig. Von 1950-1957 war sie Meisterschülerin von Prof. Alexander Gonda. 1958 erhielt sie den ersten Preis der „Großen Berliner Kunstausstellung“. Danach standen ihre Bronzeköpfe in der Deutschen Oper oder im Schillertheater und auch die VHS fragte sie für Kurse an. Von 1950-1963 war sie Formgestalterin bei der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM). Seit 1958 arbeitet sie als freischaffende Bildhauerin, Dozentin an der Volkshochschule, plastisches Gestalten.

Christa Junge

Fotos: Christa Junge