Berliner Bärenfreunde e.V.

Samstag, 19. September 2020

Bär und Stier neu am Floraplatz im Berliner Tiergarten

Nicola Vösgen, Kunsthistorikerin, erfuhr von einer Kollegin von unserem Verein. Sie wandte sich im Oktober 2015 an uns. Zu dieser Zeit versuchte Nicola Vösgen den Verbleib von zwei Bronzeskulpturen aus dem Berliner Tiergarten zu klären – es handelt sich um einen Stier und natürlich: um eine Bärenskulptur.

Beide Figuren waren 1945 am ursprünglichen Standort zu finden.
Weder in der Literatur noch in den Akten konnte Sie bislang Hinweise zum Verbleib der beiden Figuren finden. Nicola Vösgen fragte uns, ob die von unserem Verein gefundenen Bärenskulpturen in unserem Archiv katalogisiert werden und ob wir Ihre Recherche freundlicherweise
unterstützen könnten? Die Berliner Bären bei uns sind katalogisiert. Wir fragten Sie nach einem Foto, da wir keine Vorstellung von diesem Bären hatten. Als wir es sahen, mussten wir es leider verneinen. Aber das Thema Bär am Floraplatz blieb in unserem Hinterkopf.

Endlich war es soweit. In der Pressemitteilung des Bezirksamt Berlin-Mitte vom 29. Mai 2020 informierte Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen, Sabine Weißler, über die Aufstellung des Bären und eines Stieres am Floraplatz.

Mit dem Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt und der Unteren Denkmalschutz-behörde Mitte erfolgte die Planung und Ausführung aller Maßnahmen, die zur Wiederherstellung des plastischen Bildwerks am Floraplatz im südöstlichen Tiergarten führten.
Mit der Konzeptentwicklung, Planung und Fachbauleitung wurde das Büro
Restaurierung am Oberbaum beauftragt. Die kunsthistorischen Recherchen
erfolgten durch Frau Nicola Vösgen. Die Maßnahme wurde begleitet durch die Archäologie- Agentur Dr. Dittrich & Geßner.
2019 und 2020 wurden sechs im Tiergarten erhaltene, am Floraplatz ehemals aufgestellte Tierplastiken umfangreich restauriert. Hierbei handelt es sich um zwei Bisons, zwei Hirsche und zwei Elche. Zwei weitere zu dem Ensemble gehörende Plastiken – ein Stier und ein Bär – gelten als verschollen. Sie wurden in Bronze nachgegossen. Die originalen Granitsockel wurden restauriert, ein fehlender materialidentisch neu angefertigt.

Zur Geschichte

Der 1740 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff angelegte Floraplatz im Südosten des Berliner Tiergartens, südlich der Straße des 17. Juni, wurde im Laufe seiner mehr als dreihundertjährigen Geschichte mehrfach umgestaltet. Die namensgebende, barocke Skulptur der Flora im Zentrum des Platzes wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die vergrößerte Zweitausführung der „Amazone zu Pferde“ von Louis Tuaillon ersetzt.


Einige Jahre zuvor waren auf Wunsch des Kaisers acht lebensgroße Tierplastiken konzentrisch um den Platzmittelpunkt aufgestellt worden. Die Bronzen hatte der Bildhauer Rudolf Siemering (1835 – 1905) ursprünglich für das George-Washington-Denkmal in Philadelphia/USA geschaffen. Sie stellten wildlebende Tiere der nordamerikanischen Fauna dar. Nach den Gipsmodellen, die der Kaiser in Siemerings Atelier gesehen hatten,
wurden Nachgüsse für den Floraplatz angefertigt.
Im 2. Weltkriegs wurde der Floraplatz sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, und in den Jahren nach 1945 diente der Bereich wie auch weitere Teile des fast gänzlich abgeholzten Tiergartens dem Gemüseanbau. Die Amazone überstand den Krieg relativ gut, wohingegen die Tierplastiken teilweise stark beschädigt wurden und zwei gänzlich verloren gingen.
Zwischenzeitlich erhielten die sechs erhaltenen Bronzen neue Aufstellungsorte im Tiergarten, wobei nur die beiden Hirsche restauriert und im Rosengarten präsentiert wurden. Am Floraplatz zeugte lediglich die „Amazone zu Pferde“ von der kaiserzeitlichen
Gestaltung.
Naturwissenschaftlich/archäologische Untersuchungen sowie diverse Suchgrabungen in den vergangenen Jahren zeigten, dass die meisten Fundamente der Tierplastiken noch vorhanden oder zumindest nachweisbar waren, so konnten die genauen historischen Positionen der Bronzen nachgewiesen werden. Ursprünglich galten nur vier originale Granitsockel als erhalten, so konnten im Laufe der Untersuchungen drei weitere Sockel im Tiergarten ausfindig gemacht werden.

Sämtliche Tierplastiken sind im Original am Washington-Denkmal in Philadelphia/ USA erhalten, so bestand die Möglichkeit, das komplette Ensemble am Floraplatz wieder aufzustellen.
Die Opus Denkmalpflege führte die Erneuerung der Fundamente sowie die
Restaurierung und Teilergänzung der vorhandenen Granitsockel und die
Neuanfertigung des fehlenden Sockels in identischem Material aus. Die Kosten für die Planung und Ausführung dieses Projektes betragen rund 400.000 Euro.
Unser Dank gilt der Hinckeldey-Stiftung, die das Projekt mit einer Zuwendung in Höhe von 50.000 Euro finanziell unterstützt hat.

Skulpturengießerei Knaak

Als ich mit der Skulpturengießerei Knaak Kontakt aufnahm war Frau Rose, Kunsthistorikerin, sofort bereit uns zu unterstützen. Wir hatten sehr viele Fragen zu der Herstellung des Bären und des Stieres vom Floraplatz, die Sie uns auch schnell beantwortete.
Dort wurden die noch erhaltenen Tierplastiken denkmalgerecht restauriert.
Die Vorbereitungszeit des 3D-Scans des noch vorhandenen Bären und des Stiers am Washington-Denkmal in Philadelphia bis zur Fertigstellung bzw. Nachbearbeitung der fertigen Bronzegüsse für alle Tiere fand in der Zeit von Juni 2019 bis Juni 2020 statt.
Die Scan-Dateien wurden zunächst aus den USA an die Gießerei übermittelt und nachbearbeitet. Neben den beiden Plastiken wurden auch Einzelteile der anderen Tiere aus der Tiergruppe gescannt. Die Teilnachgüsse der Elche wurden entsprechend den vorhandenen historischen Fotografien montiert.
Auf Basis der 3D-Daten wurden anschließend 3D-Drucke angefertigt (Sanddruckmodelle) und diese wiederum abgeformt. Aus den Silikonformen wurden Wachsgüsse hergestellt, die im Wachsausschmelzverfahren für die Herstellung eines Bronzegusses genutzt wurden. Sie wurden abschließend zusammengefügt und von Hand nachbearbeitet. Fehlende Einzelteile wurden wieder an die Original-bronzen angepasst. Bär und Stier bestanden dabei jeweils aus ungefähr 10 Einzelteilen.


In der Zeit vom 26.-28. Mai 2020 erfolgte die Aufstellung aller acht Plastiken – neben Bär und Stier sind noch jeweils 2 Hirsche, 2 Bisons und 2 Elche rund um den Floraplatz zu bestaunen. Alle Bronzen erhielten eine einheitliche Patina sowie eine schützende Wachsschicht. Die Bronzeplastiken wurden durch die Firma Knaak auf den jeweiligen Sockeln aufgestellt
Die Plinthenmaße (Sockelmaße) des Bären und des Stiers betragen 1790 mm x 790 mm. Die Neugüsse von Bär und Stier wiegen jeweils ungefähr 400-500 kg, während die sechs erhaltenen Tiere ein ungefähres Gewicht von 700 kg haben.

Wir danken für die freundliche Zusammenarbeit und die interessanten Fotos.

Quelle Skulpturengießerei Knaak

Die landschaftsarchitektonische Umgestaltung des Floraplatzes erfolgt in einem nächsten Schritt und in der Verantwortung des Bezirksamts Mitte.

Wir danken Nicola Vösgen, Kunsthistorikerin, im Besonderen da Sie uns auf den Bären und Stier aufmerksam gemacht hat. Vielen Dank auch für die Fotos von der Aufstellung, dem 27. Mai 2020 und die Recherche zu einem anderen s/w Foto.

Christa Junge