Berliner Bärenfreunde e.V.

Sonntag, 05. Dezember 2021

Berlin „Friedrichstraßen-Passage“

PASSAGE-KAUFHAUS
Vereinigung erstklassiger Spezialgeschäfte
BERLIN, Friedrichstraße 110,11,112

Das Gebäude wurde 1907 bis 1908 in 15 Monaten unter der Leitung des kaiserlichen Baurates Franz Ahrens errichtet und 1909 als Kaufhaus mit dem Namen „Friedrichstraßen-Passage“ eröffnet. Der Gebäudekomplex zog sich damals von der Friedrichstraße bis zur Oranienburger Straße hin. Die Passage hatte an beiden Straßen Eingänge und verband diese miteinander.
Das 1909 fertiggestellte „Passage-Kaufhaus“, bot den gigantischen Warenhäusern Konkurrenz und war zugleich eine der ersten Stahlbeton-konstruktionen Europas.
Der hohe, zweigeschossige Sockel aus rustikalen Kalksteinquadern schließt mit einer Balustrade ab, darüber erheben sich noch drei weitere Geschäftsetagen. Den bildhauerischen Schmuck der Fronten aus Muschelkalk schufen die Bildhauer Hans Schmidt und Richard Kühn. Von dem weithin sichtbaren Eingangsbogen der Passage an der Oranienburger Straße führte eine glasüberdachte Ladengalerie bis an die Friedrichstraße 110-112. In deren Mitte befand sich ein glasüberdeckter Kuppelraum, er war das Herzstück der Passage. Die Kuppel  war 48 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 26 Metern, eine Meisterleistung.

Nach dem frühen Scheitern des ursprünglichen Konzeptes als Einkaufspassage musste das Gebäude bereits vor 1914 zwangsversteigert werden.

Nach 1918 übernahm die AEG die Passage und eröffnete hier das Haus der Technik mit Ausstellungen der Firmenerzeugnisse. Im Kuppelbau des Gebäudes fanden häufig Filmvorführungen statt. Berühmt wurde das „Haus der Technik“ durch die erste Fernsehübertragung der Welt, die Ende der 30er Jahre hier stattgefunden hat.

Im 2. Quartal 2010 haben wir über die Friedrichstraßen-Passage in unserer Vereinszeitung „Der Berliner Bär“ berichtet. Über den Treppen im Kuppelsaal, der in den 80er Jahren gesprengt wurde, gab es Bärenfiguren mit Kindern bzw. Putten. Anfang des Jahres 2010 bekam ich auf dem Flohmarkt eine alte Postkarte, die erst 1940 versandt wurde, eben mit diesen Bären und Kindern.                                                                                               Seit Oktober 2016 gibt es eine Ausstellung „Vom Kaufhaus zum Tacheles“ Fotografien der Friedrichstraßen-Passage im Museum für Technik in Berlin, sie geht bis zum 4. April 2017. Zu dieser Ausstellung passt die alte Ansichtskarte mit den Bären, die vom Berliner Fotograf Franz Kullrich (1864-1917) aufgenommen wurde.

http://www.museumsportal-berlin.de/de/ausstellungen/vom-kaufhaus-tacheles/

Während der NS-Zeit wurden immer größere Teile im Haus der Technik von Parteiorganisationen belegt und in den letzten Kriegstagen wurde der zweite Tiefkeller geflutet, der seither unter Wasser steht. 1948 wurde das Gebäude vom FDGB übernommen, wo es jahrzehntelang als gigantische Ruine allmählich dem völligen Verfall preisgegeben schien. Die Trakte in der Passage waren teilweise aufgerissen, die Dächer mit Unkraut bewachsen und nur zeitweise Nutzungen einzelner Gebäudeteile brachten ein wenig Leben in das riesige Haus.

1980 wurden einige Trakte gesprengt, da in der neuen Planung der Friedrichstraße kein Platz für den Ladenkomplex vorgesehen war.
Im April 1990 sollten die letzten Reste der Passage beseitigt werden, und am 13. Februar des gleichen Jahres wurde die Ruine von der Künstlerinitiative Tacheles besetzt, die den sofortigen Stopp der bereits eingeleiteten Abrissvorbereitungen forderte.
Praktisch in letzter Minute gelang es der Initiative, die Ruine zu erhalten und sie erreichten zudem, dass das Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Das Kunsthaus Tacheles war ein Kunst- und Veranstaltungszentrum in der Oranienburger Straße im Berliner Ortsteil Mitte. Es nutzte zwischen 1990 und 2012 einen vor dem Abriss geretteten Gebäudeteil eines ehemaligen Kaufhauses.

Der Name der Künstlerinitiative ging mit der Zeit auf das ganze Haus über. Nach und nach etablierte sich das Tacheles zu einer festen Größe in der Berliner Kunst- und Kulturszene. Zahlreiche Ateliers, Ausstellungsflächen, ein Kino, eine Bar und größere Räume für Konzerte, Lesungen usw. machten das Tacheles zu einem vielfältigen und innovativen Ort und zu einem Magneten für Berliner und Touristen.

Das Kunsthaus Tacheles wurde am Morgen des 4. September 2012 endgültig geräumt, wobei es nur einen symbolisch-künstlerischen Protest gab.

Beginn der Sanierung im Jahr 2016

Das Tacheles steht im Jahr 2016 vor einer neuen Zukunft. Auf dem Gelände des seit vier Jahren leerstehenden Gebäudes begannen am  04. April 2016 die Vorarbeiten für den Bau eines neuen Stadtquartiers. Das Areal soll dabei saniert und später wieder kulturell genutzt werden.

Das neue Tacheles

Die Künstler ließen das Tacheles neu entstehen: An der Neuen Börse Marzahn und an der Marzahner Chaussee auf das Gelände des ehemaligen Magerviehhofs. Künstler aus Frankreich, Italien, Indien und Lateinamerika haben Ställe und Baracken zu Ateliers umgebaut. Außerdem existiert die Künstlerinitiative weiterhin im Netz

Quelle: wikipedia, Christa Junge

 

Unser Dank gilt Sigmund Czech der Fotos aus seinem Privatarchiv zum ehemaligen PASSAGE-KAUFHAUS in der Berliner Friedrichstraße aus den 80er Jahren zur Verfügung gestellt hat.