Berliner Bärenfreunde e.V.

Mittwoch, 19. Januar 2022

Der Berliner Bär hat Geburtstag

Am 22. März 2014 wird der Berliner Bär, seit 1280 das Wappentier der Stadt Berlin, 734 Jahre alt. Das heißt aber nicht, dass er in die Jahre gekommen ist, sondern er hat sich dem Lebensrhythmus der Stadt angepasst, lebt am Puls der Zeit und ist immer für eine Überraschung gut.

Der Bär ist seit diesem Tag auf Siegeln, Dokumenten, Wappen und Fahnen zum Hoheitszeichen und als Symbol unserer Stadt zu finden. Er wurde aus Marmor, Stein und Bronze künstlerisch gestaltet, in Poesie und Prosa beschrieben, auf Bildern gemalt und in Liedern besungen. Nichts ist so eng mit den Berlinern verbunden wie der Berliner Bär. Der Berliner Bär ist weltbekannt und in aller Munde. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird ihn überall entdecken.

Berlin und der Berliner Bär sind ein Begriff in aller Welt!

Der Berliner Bär hat sich der über 750-jährigen Geschichte unserer Stadt gegenüber allen anderen heraldischen Machtsymbolen durchgesetzt. Unser Bär ist damit auch ein Ausdruck der Entwicklung der Freiheit und Unabhängigkeit Berlins.

Warum gerade der Bär zu unserem Wappen wurde, konnte wissenschaftlich nicht ergründet werden. In der heraldischen Fachliteratur wird das Berliner Wappen als “redendes Wappen” bezeichnet, wobei darunter ein bildlicher Bezug des Namens zum Wappen verstanden wird. Gemeint ist hier eine Beziehung zwischen “Ber” und “Bär”. Es war früher üblich, Wappen aus den Anfangssilben bzw. dem Inhalt von Stadtnamen abzuleiten. Aber die Heraldik bevorzugt nun einmal die Abbildung von Tieren. Ob tatsächlich der Bär ursprünglich zur Namensbildung Berlins beigetragen hat, ist umstritten.

Mögen die Wissenschaftler streiten. Wir Berliner führen die Gründung unserer Stadt auf den Bären zurück. Das Wort “Berlin”, 1244 erstmalig so geschrieben, kommt aus dem slawischen und bedeutet “sumpfig – Sumpfgebiet”. Die Menschen damals, wie heute lieben ihren Bären. Er geht auf zwei Beinen, ist sehr stark und hat kaum Feinde. Er ist mächtig, stark, bewehrt mit Krallen, zeigt seine rote Zunge und seine Zähne, ist geschickt und schlau, hat ein dickes Fell und unbesiegbar. Berlin ohne seinen Wappen Bären, wäre nicht das Berlin, was wir so lieben.

Zuerst auf Siegeln, Wappen, Fahnen, später als Reliefs und Skulpturen und in öffentlichen Gebäuden ist der Bär zu sehen. Überall in der Stadt hat der Berliner Bär seine Spuren hinterlassen.

Der erste Berliner Bär befand sich auf einem Siegel von 1280

An einer Urkunde der jungen Stadt Berlin vom 22. März 1280, dem Gildebrief für die Berliner Kürschner, befand sich ein Siegel mit der Abbildung des Bären. Es ist das erste nachgewiesene Siegel mit dem Berliner Bären und stellt zwei gepanzerte Bären als Schildhalter dar, die mit erhobener Tatze voneinander abgewendet sind und sich dennoch rücklings anblicken. Das Siegel trägt die Inschrift „Sigillum burgensium de berlin sum“ (‚ich bin das Siegel der Bürger von Berlin‘). Die erhobene Tatze soll hier bereits die Selbständigkeit Berlins symbolisieren. Allerdings war in dem Siegel an zentraler Position noch der Brandenburger Adler.
Jährlich am 22. März wird in Berlin der Tag des Berliner Bären begangen.

Die Herrschaft des Brandenburger Adlers, beziehungsweise die Koexistenz mit ihm und dem Berliner Bären, zieht sich noch bis ins 19. Jahrhundert hinein.
In einem Siegel von 1338 mit der Inschrift „S[igillum] Sekretum Civitatis Berlin“ („Geheimsiegel der Stadt Berlin“) zeigt den Berliner Bären bezwungen durch ein Halsband mit wehendem Adlerschild, eines von 1460 zeigt ihn mit aufreitendem Adler. Die letztere Siegelvariante wird als Unterwerfung Berlins nach dem „Berliner Unwillen“ aus den Jahren 1447/1448 durch Friedrich II. Eisenzahn gewertet. Dieses Siegel wurde bis um 1700 mit der Inschrift „sigillum civitats antiqui berlin“ (‚Das Siegel der alten Stadt Berlin‘) verwendet.

Mit der Gründung der Residenzstadt Berlin am 17. Januar 1709 wurde der Bär noch als gebändigter Bär mit Halsband unter der Herrschaft des Preußischen und des Brandenburger Adlers dargestellt. Im Jahre 1839 hat sich die Vorherrschaft des immer noch gebändigten Bären gegenüber den Adlern bereits durchgesetzt und im Jahre 1875 zeigt das Berliner Wappen bereits einen wilden ungebändigten Bären mit zotteligem Fell und ohne Halsband.

Nach dem Zusammenschluss zu Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde im Jahre 1935 der Berliner Bär zum alleinigen Wappentier. Seitdem wird er aufrechtgehend, mit roter Zunge und krallenbewehrt dargestellt.

Der Berliner Bär gehört unverzichtbar zu Berlin und zur Kulturgeschichte unserer Stadt.

Im Jahr 1939 wurde im Köllnischen Park ein Straßenreinigungsgebäude von Ludwig Hoffman in einen Bärenzwinger umgebaut, damit es in der Mitte Berlins einen Berliner Bären zu „liebhaben“ gab. Daraus wurden erst vier Bären, dann kam noch einer dazu. 1949 wurden Nante und Jette die bekanntesten Berliner Bären.
In den letzten Jahren war es Tilo, Maxi und Schnute die den Berliner Bären repräsentierten. Viele Berliner und Gäste der Stadt besuchen die Berliner Bären regelmäßig, in jedem internationalen Touristenführer steht zu lesen, wo der Berliner Bär zu finden ist.
Tili verstarb 2007, Maxi 2012 und heute ist Schnute mit
33 Jahren die letzte Stadtbärin Berlins. Nach ihr wird es keine weitere Bärenhaltung in der Mitte Berlins geben.

Christa Junge
22. März 2014