Berliner Bärenfreunde e.V.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Grüße in die geteilte Stadt

Donaukurier, Ingolstadt
Er hat wenig von einer grimmigen Bestie. Der Bär an der Berliner Straße sieht schon eher wie ein freundliches Kuscheltier aus. Dabei gemahnt die Figur seit 1984 an dieser Stelle an ein ernstes historisches Thema.

Die Statue ist Teil einer Bärengemeinschaft mit mehreren Hundert Mitgliedern. Auf der ganzen Welt erinnern sie an die deutsche Teilung nach dem Jahr 1949. Die Idee dazu hatte 1954 der damalige Berlin-Beauftragte der Bundesregierung, Gerd Bucerius. Der regte an, entlang von Autobahnen alle 100 Kilometer einen „Meilenstein“ zu errichten. Die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis – von ihr stammt auch der Entwurf des Goldenen Bären der Berlinale – gestaltete ein Bären-Graffito, das auf Steintafeln entlang der Fernstraßen errichtet werden sollte. Jeweils mit der Entfernungsangabe nach Berlin – genauer der Abstand zur Kopie des Null-Meilensteins auf dem ehemaligen Dönhoffplatz in der geteilten Stadt. Seit dem Jahr 1730 wurden von hier die Entfernungen in die preußische Hauptstadt gemessen. Zurzeit von Bucerius‘ Bären-Initiative hieß die deutsche Hauptstadt freilich Bonn.

Im Januar 1954 wurde der erste Autobahn-Bär auf dem Mittelstreifen der A 3 Köln- Frankfurt von Bundespräsident Theodor Heuss enthüllt. Auf ihm prangt die Angabe 650 Kilometer. Er wechselte im Laufe der Geschichte den Standort, nachdem er eine Zeit lang völlig verschwunden war. Heute steht er an der Raststätte Epgert-Ost und müsste deswegen eigentlich die Angabe 654 Kilometer tragen.

Weitere Bären folgten. Wer von der Rastanlage Köschinger Forst Richtung Norden aufbricht, kommt an einer Bären-Platte vorbei, die noch 500 Kilometer nach Berlin anzeigt. Auch sie stand ursprünglich auf dem Mittelstreifen. Später wurden auch anders gestaltete Bären aufgestellt. An der A 9 kurz vor München grüßt noch heute der Bär, der 1962 errichtet wurde. Dazu war eigens der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, nach Bayern gekommen. 1965 wurde ein Bär in der Berliner Straße in Neuburg an der Donau enthüllt. Er steht mittlerweile am Eingang des Volksfestplatzes. Die Idee wurde auch im Ausland umgesetzt. Der Berliner Senat initiierte Bärenfiguren unter anderem in Dallas/Texas, Windhoek (Namibia) und Kabul (Afghanistan).

In Ingolstadt ergriff in den 1980er-Jahren der Kreisverband des Bundes der Berliner und Freunde Berlins (BdBFB) die Initiative für eine Bärenfigur. Bei Schubert & Salzer wurde der 126 Zentimeter hohe Bär dann gegossen. Er wiegt über 400 Kilogramm. Am 17. März 1984 versammelten sich Oberbürgermeister Peter Schnell, Gotthard Kobierski (Vorsitzender der Ingolstädter Berliner) sowie zahlreiche andere Ehrengäste und das Audi-Werkorchester um die neue Skulptur. Nach der feierlichen Enthüllung überbrachte Horst Hase als Vertreter des Berliner Senats die Grüße des neuen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Eberhard Diepgen, und gemahnte die Ingolstädter, das Schicksal der geteilten Stadt nicht zu vergessen. „Berlin kann Freunde brauchen“, betonte auch Franz Dettki, Präsident des BBFB.

Heute ist die Teilung der Stadt und des Landes überwunden. Berlin ist wieder Hauptstadt. Der BBFB hat sich 1998 aufgelöst. Der Berliner Bär steht nach wie vor stoisch auf seinem Sockel. In Ingolstadt und an rund 300 anderen Stellen auf der ganzen Welt.

Von Johannes Hauser

Donnerstag, 1. Juni 2017

http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-Gruesse-in-die-geteilte-Stadt;art599,3408712

 

 

Unser Verein veröffentlichte im 4. Quartal 2010 einen Bericht zu dem Ingolstädter Bären. Leider erhielten wir zu dieser Zeit nur wenige Informationen vom Presse- und Informationsamt der Stadt Ingolstadt, zu dem interessanten und farblich eigenwilligen Berliner Bären.

Ingolstadt/ Bayern

Gedenkstein mit Berliner Bär

 

Am 17. März 1984 wurde in der Berliner Straße/ Ecke Oberfeldstraße ein Berliner Bär mit Gedenktafel enthüllt. Er wurde mit der Unterstützung des Senats von Berlin, der Stadt Ingolstadt, des Bundes der Berliner und vieler Gönner errichtet.

Der Entwurf der Figur ist von H. Blumberg, Kaufbeuren. Ausführung in Gusseisen/ Sichtbeton von Schuber & Salzer. Der Berliner Bär steht vor der Sparkasse.