Berliner Bärenfreunde e.V.

Freitag, 16. April 2021

Heinrich-Heine-Viertel – Der Berliner Bärenzwinger

Am Mittwoch, den 31. Mai traf ich mich mit Claudia Mattern am Berliner Bärenzwinger im Köllnischen Park. Sie ist Journalistin und schreibt für das BEROLINA Journal der WohnungsbauGenossenschaft. Sie suchte für das Heinrich-Heine-Viertel Kiezgeschichten und kam dabei auf unseren Verein zu.

Es entstand dabei ein gemeinsames Foto am Bärenzwinger und anschließend begann Sie das Interview. Sie stellte viele Fragen, ließ mich aber auch erzählen, da sie meine „Leidenschaft“ für den Berliner Bären bemerkte. Die Zeit verging sehr schnell und seit einigen Tagen ist das Interview auf der Seite der BEROLINA im Berolina Journal 2/ 2016 zu finden.

Christa Junge

Aus: Berolina Journal 2/ 2016


Kiezportrait


Wenn Christa Junge über ihre Lieblingstiere spricht, hat man das Gefühl, sie habe sie persönlich jahrzehntelang begleitet. Auf die Vorsitzende der Berliner Bärenfreunde und ihre Vereinsmitglieder trifft das durchaus zu. Vermutlich begegnet kaum ein anderer in Berlin gebürtiger Mensch dem Wappentier der Stadt mit so viel Empathie.

So war der 11. Oktober letzten Jahres, als Stadtbärin Schnute starb, ein besonders trauriger Tag für den Verein. Schnutes Heimat war bis zuletzt der Bärenzwinger am Köllnischen Park, wo sich die Berliner Bärenfreunde 1994 gründeten.

Zurückzuführen ist der Bärenzwinger auf eine 1937 zur 700-Jahr-Feier von Berlin entstandene Idee, die Stadt brauche etwas zum „Kuscheln, zum Liebhaben, etwas Lebendiges“, erzählt Christa Junge. Ein Schreiben belegt, dass der Umbau des

Straßenreinigungsgebäudes in einen Bärenzwinger im Köllnischen Park gegen den Willen von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels umgesetzt wurde. Dass sich Berlin damals durchgesetzt hat, freut die Vorsitzende ganz besonders. Die ersten Berliner Bären Urs und Vreni kamen 1939 aus Bern, Jule und Lotte aus dem Berliner Zoo. Es herrschte Krieg, und am Alexanderplatz wurde nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Bären Gemüse angebaut. Um den Bärenzwinger zu beschützen, wurden sogar Waffen angefordert, „weil die Leute natürlich Hunger hatten und vor Hunger gemaust haben“. Der Zwinger wurde am Kriegsende getroffen, doch wundersamerweise hatte Bärin Lotte überlebt, man fand sie halbverhungert unter Trümmern. Lotte lebte bis 1971 im Berliner Zoo und gehörte nach dem Krieg mit zu den ersten Tieren dort.

Die Geschichten über die Bären aus dem Bärenzwinger sind in der Vereinszeitung „Der Berliner Bär“ nachzulesen: jene über die fünf Bärenkinder Bärolina, Atze, Piefke, Alex und Rieke beispielsweise, die erst kein Zoo und kein Tierpark haben wollten und für die die Todesspritze im Raum stand. Die Rettung der Bären war einer der Gründe, die zur Gründung der Berliner Bärenfreunde führten. „Wir wollten nie wieder, dass ein Bär bedroht ist, weil keiner ihn haben will.“


Symbole, Skulpturen, Reliefs, Plakate, Wandmalereien, Wappen und Brunnen mit Berliner Bären sind überall in der Stadt und weltweit zu finden. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, sie ausfindig zu machen, zu katalogisieren und zu archivieren. Inzwischen sind es 672 nur in Berlin. Die privaten Sammlungen der Mitglieder sind umfangreich und wurden bereits in mehreren Ausstellungen präsentiert. Daneben feierte der Verein die Geburtstage der Bären, und jährlich am 22. März den Tag des Berliner Bären. Das älteste Berliner Wappen nämlich stammt aus dem Jahr 1280 und wird als Geburtsstunde des Berliner Bären bezeichnet. Als Schnute im Mai 2007 zur Stadtbärin ernannt wurde, war in der Presse häufig das Zitat zu lesen: „Wir haben eine Kanzlerin, warum nicht auch eine Stadtbärin?“. Es stammte von Christa Junge.

Bis heute wundern sich nicht nur Berlin-Touristen, warum weit und breit kein Bär im Bärenzwinger mehr zu sehen ist. Mit Schnutes Tod endete auch die Bärenhaltung in Berlins Stadtmitte. Zwar wurde nach der Wende der Zwinger modernisiert und um einen Lichthof erweitert, doch lebendige Bären wird es dort nicht mehr geben. Nach Ansicht des Vereins ist das durchaus die richtige Entscheidung, schließlich hat sich die Haltung zum Tier ja grundsätzlich verändert. „Man hat mehr auf die Rechte und Bedürfnisse der Tiere gesehen und hätte dem Bärenzwinger sehr viel mehr Fläche geben müssen“ erklärt die Vorsitzende. „Das wäre auch aus finanziellen Gründen überhaupt nicht möglich gewesen.“

 

 

Zwischenzeitlich gab es Überlegungen, ob die Räume des Bärenzwingers vom Märkischen Museum genutzt werden könnten. Dass das Museum abgelehnt hat, findet sie sehr schade. Schließlich brauche es jemanden, der sich regelmäßig darum kümmert und ihn instand hält. Der Bezirk Mitte/Tiergarten hat noch nicht über eine weitere Nutzung entschieden.

Anfragen zum Berliner Bären erhält der Verein bis heute. Ein besorgter Besucher hatte vor eingen Jahren auch mal gefragt, ob die Bären frühmorgens, wenn Berlin noch schläft, ausgeführt würden, weil sie doch so wenig Platz hätten. Ja klar, antwortete Christa Junge. „Wir fahren extra mit ihnen an den Müggelsee.“

Eine kleine Bärenskulptur im Heinrich-Heine-Viertel vermisst der Verein noch immer. Sie befand sich bis zur Wende auf dem Gelände eines Wohnkomplexes in der Annenstraße, ist seitdem aber verschwunden.

Claudia Mattern


 

Mit freundlicher Genehmigung durch Claudia Mattern

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