Berliner Bärenfreunde e.V.

Samstag, 19. September 2020

„Musée sentimental de l’ours de Berlin“

Ein „sentimentales Museum“ für die Berliner Stadtbären von Künstlern gestaltet. Am 6. Februar 2020 war es endlich soweit, um 19 Uhr erwarteten die Macher Anna Virnich, Nschotschi Haslinger, Sathit Sattarasart und Jasmin Werner und die Kuratoren Jan Tappe und Julia Pomeranzewa die Besucher.

Sigrid Schuldt und ich, Christa Junge waren rechtzeitig vor Ort, hat doch unser Verein einige Exponate zur Verfügung gestellt. Wir wollten uns diese noch vor der Eröffnung anschauen und auch die der Künstler.
Wir begrüßten Julia Pomeranzewa und Jan Tappe und freuten uns, dass schon sehr viele Besucher auf den Einlass warteten. Es wurde in der Presse gut informiert (Berliner Morgenpost, B.Z., Berliner Kurier, Süddeutsche Zeitung) und im Berliner Rundfunk wurde die Ausstellungseröffnung angekündigt.

Wir schauten zusammen nach den Fotos der Bären und auch einer ganz besonderen Postkarte von 1901, die einen Braunbären zeigt und in dessen Fell das Berliner Schloss zu sehen ist.

Auch die Exponate, wie die Schulbücher mit Berliner Bär, das Spiel mit Nante und Jette, zwei Stadtsiegel und zwei Medaillen „Berliner Bärenzwinger“ und das Buch „Unsere Berliner Bären“ von Georg Willroda, Berlin (Ost) 1955 sind in den Vitrinen zu sehen.

Das Bären Modell von Schnute von Manfred Gräfe 2014 war für uns etwas Besonderes, es wurde nach dem lebenden Vorbild modelliert. Es war die Vorstudie für eine eventuelle spätere Präparation.


Einige Dinge wurden, wie das Schild mit den Lebensdaten der Bären Nante, Jette und Julchen, nach 1979; die Spitzengardine mit Teddymotiv, sie hing bis 2015 am Fenster des Bärenzwingers; ein Becher mit Teddymotiven, vor 2015 und ein Wandkalender mit eingestelltem Datum 10. November 2015 (letzter Tag vor Schließung des Bärenzwingers) gezeigt. Sie alle stammen aus einem Konvolut von Objekten, die nach der Schließung des Zwingers zurückgelassen wurden.

Besonders sehenswert ist das Bleiglasfenster aus dem Wappensaal des Roten Rathauses mit Darstellung des Wappens des Bezirkes Tempelhof (1949-1957, nach 1951. Leihgabe Mitte Museum.

Interessant war für uns der Sockel von Sathit Sattarasart, der für das Modell von Schnute gestaltet wurde. Es ist eine große, farbige Plexiglasscheibe, die den Größenunterschied zur echten Schnute darstellt.

Nschotschi Haslinger setzte sich während der Vorbereitung zu ihrer Arbeit intensiv mit der Geschichte des Bärenzwingers und der Heraldik des Stadtwappens auseinander. Ihre Farbgebung hat die Künstlerin freier gewählt und sie auch den räumlichen Bedingungen in den Ausstellungsräumen des Bärenzwingers angepasst. Die Bären tragen Ketten, oder ihnen ist die Sicht versperrt, sie versucht so eine Geschichte der Beklommenheit zu erzählen.

Eine Installation diverser organische Materialien von Anna Virnich, sollen mit einem großem Stück Wildleder als Unterlage für eine Reihe von hellen Wachskerzen und Duft auf die körperliche Abwesenheit der der Bären reagieren. Das Leder symbolisiert die körperlichen Ausmaße eines Bären, das Wachs strahlt eine hohe Verletzlichkeit aus. Der Duft besetzt den Raum, der aber für die menschliche Nase schon lange verflogen ist.

Jasmin Werner hat zwei Installationen auf den ehemaligen Außengehegen entwickelt. In den bildlichen Teilen der Arbeiten sind verschiedene Reflexionen in Fenstern des Stadtschlosses und des Palastes der Republik miteinander verbunden, sodass sie über zeitliche Abstände hinweg die Geschichte einer Stadt im Wandel und zwischen den Systemen erzählt, die der Bärenzwinger als Denkmal der Stadt ebenfalls durchlaufen hat. Die Form der beiden Türme ist an das höchste Gebäude der Welt – das
Burj Khalifa in Dubai – angelehnt, in dessen Stahlkonstruktion zu Teilen auch Stahl des Palastes der Republik Eingang gefunden hat.

Wir kamen mit vielen Besuchern ins Gespräch. Leider gab es auch bei diese Eröffnung keine Ansprache an die Besucher, schade. Frau Dr. Ute Müller-Tischler, Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte, besuchte die Ausstellung nur kurz und war schnell wieder verschwunden.