Berliner Bärenfreunde e.V.

Montag, 21. Juni 2021

Schnute – der letzte Berliner Stadtbär

Die Berliner Stadtbärin Schnute wurde am 11. Oktober 2015 im hohen Alter von 34 Jahren eingeschläfert. Wie die Obduktion im IZW (Institut für Zoo- und Wildtierforschung) ergab, litt Schnute an einer schweren Deformation der Gelenke und Herzinsuffizienz. Schnute lebte als letzter Bär mit dem Titel „Stadtbär“ im Bärenzwinger am Köllnischen Park, direkt neben dem Märkischen Museum.


Der Bär und Berlin sind eng verbunden. Das älteste bekannte Berliner Stadtsiegel, welches zwei Bären zeigt, stammt aus dem Jahr 1280. Noch heute ziert der Bär das Berliner Wappen, Berlins Flagge und ist als Brunnen und Skulptur im gesamten Stadtbild anzutreffen. Lebendige Bären konnten die Berliner in der Menagerie auf der Pfaueninsel, dem Vorläufer des Zoologischen Gartens, sehen. Im 1844 eröffneten Zoologischen Garten bezogen die Braunbären 1937 ihre Felsenfreianlage nahe dem Löwentor.
1937 wurde dann die Idee geboren, den Bären auch im Stadtbild einen Platz einzuräumen. Es entstand der Bärenzwinger am Köllnischen Park. Dafür wurde das dort befindliche, ursprünglich von der Stadtreinigung genutzte Gebäude, für die Haltung der Bären umgestaltet. 1939 wurde die Anlage mit vier Braunbären eröffnet.
Insgesamt 55 Braunbären wurden zwischen 1939 und 2015 auf der Anlage gehalten, die zwischen 1964 und 1991 vom Tierpark Berlin betreut wurden. Die letzten auf der Anlage am Köllnischen Park lebenden Bären waren Tilo, Schnute und Maxi.
Schnute, am 18. Januar 1981 geboren, kam gemeinsam mit ihrem Bruder Taps aus dem Tierpark Staßfurt nach Berlin. Am 1. Juni 1986 wurden zwei Jungbären geboren, von denen nur einer überlebte. Er erhielt den Namen Max. Erst später stellte sich heraus, dass Max ein weibliches Jungtier war. So wurde kurzerhand der Name in Maxi geändert. Maxi blieb in Berlin.
Nach dem frühen Tod von Taps kam Tilo, geb. am 8. Januar 1990, aus Bischofswerda nach Berlin. 1994 gab es noch einmal reichlich Bärennachwuchs im Zwinger. Fünf kleine Bären wurden geboren. Maxis Bärenkinder erhielten die Namen Bärolina und Alex, Schnutes Nachwuchs wurde auf die Namen Rieke, Atze und Piefke getauft. Für die kleinen Bären musste unter großen Schwierigkeiten eine neue Heimat gefunden werden. Im August 1994 konnten Bärolina, Rieke und Atze in den Zoo nach Buenos Aires reisen, und im November 1994 fanden Alex und Piefke ihre neue Heimat im Naturpark in Cabarceno (Nordspanien).
Tilo starb am 12. April 2007. Schnutes Tochter Maxi starb am 23. August 2013. Schnute blieb allein zurück und trug seit 2007 nun den offiziellen Titel „Stadtbär“.
Insbesondere in den letzten Jahrzehnten, seit wissenschaftliche Erkenntnisse das Bewusstsein für artgerechte Wildtierhaltung verändert haben, war die Haltung der Bären am Köllnischen Park umstritten. Trotz der Umbauten im Jahr 1992, als u.a. im Innenbereich eine Fußbodenheizung eingebaut wurde und die Außenanlagen naturnah umgestaltet wurden, wurde die Anlage als nicht artgerecht bemängelt. Die Überführung der Bären in einen Bärenpark in Mecklenburg-Vorpommern wurde erwogen. Doch letztendlich blieben die Bären in Berlin. Der Stadtbärin Schnute wollte man einen Umzug im hohen Alter aus gesundheitlichen Gründen und weil sie an ihre langjährigen, vertrauten Pflegerinnen gewöhnt war, nicht mehr zumuten.
Schnute wird – und das ist unumstritten – die letzte Stadtbärin am Köllnischen Park gewesen sein. Der Bärenzwinger wird als Informations- und Erinnerungsort, möglicherweise in der Verantwortung des Märkischen Museums, bestehen bleiben.

Gabriele Kadenbach

Mitglied des Vorstands
Freunde Hauptstadtzoos
Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e. V.

Literatur: Unger, Bernd D.W.: Der Berliner Bär: ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart; Waxmann Verlag GmbH 2000