Berliner Bärenfreunde e.V.

Sonntag, 05. Dezember 2021

Schnute ist tot – letzte Stadtbärin im Berliner Bärenzwinger gestorben (Update: 16.10.2015)

Am Sonntag, den 11. Oktober 2015, ist die Berliner Stadtbärin Schnute im Alter von 34 Jahren im Bärengehege im Köllnischen Park eingeschläfert worden

Diese Mitteilung machte heute das Bezirksamt Mitte/ Tiergarten in einer Presseerklärung. Die Bärin war sehr alt, dennoch ist die genaue Todesursache noch unklar. Die Bärin musste gestern Abend eingeschläfert werden.

Wir, die Mitglieder des Berliner Bärenfreunde e.V., sind sehr betroffen von dieser Nachricht. Schnute wird den Berlinern und Bärenfreunden aus aller Welt unvergessen bleiben. Die Fotos von Schnute sind in tausenden Familien eine schöne Erinnerung an Berlin.

Mit Schnute endet nach 76 Jahren eine lange Zeit der Bärenhaltung in Berlins Stadtmitte.

Wir danken den Pflegern für die jahrelange  gute Betreuung der Berliner Stadtbären. Sie waren mit dem Herzen dabei und wir fühlen mit ihnen.

Als Verein werden wir uns dafür einsetzten, dass die Geschichte der Berliner Bären und speziell die von Tilo, Maxi und Schnute im Berliner Bärenzwinger im Köllnischen Park nicht vergessen wird.

Christa Junge
Vorsitz

Pressemitteilungen des Bezirksamtes Mitte/Tiergarten zum Tod von Schnute:

 

 

Wir wollen an dieser Stelle an Schnute erinnern:


Schnute, die erste Stadtbärin wurde am 18.01.1981 im Tierpark Staßfurt geboren.

Das Leben von Schnute im Bärenzwinger am Köllnischen Park.

Schnute kam mit ihrem Bruder Taps (Ende Juni 1981) zunächst in den Tierpark Berlin-Friedrichsfelde für eine kurze Quarantänezeit. Am 7. Juli 1981 zog sie mit Taps in den Bärenzwinger am Köllnischen Park um. Damals lebten noch Jette und ihre Tochter Julchen dort.

Die beiden Kleinen bekamen die rechte Seite der Anlage und einen gemeinsamen Schlafkäfig. Die Namensgebung von Taps und Schnute erfolgte durch einen Zeitungsaufruf und Abstimmung der Berliner Bevölkerung. Schnute war ein zurückhaltendes und misstrauisches Jungtier, Bruder Taps drängte sie oft weg und nahm eifersüchtig den damaligen Tierpfleger für sich in Anspruch. Da er als männliches Tier größer und stärker als Schnute war, hatte er auch beim Fressen den Vorrang. Schnute erkämpfte sich aber immer ihren Teil.

Sie hat wenig mit Taps gespielt, er war grob und dominant. Zu den Pflegern war er nett. Sicher war es von seiner Seite Eifersucht, damit Schnute nur ja nicht vom Pfleger Mario Erhardt verwöhnt werden sollte.

Die ersten Bärenkinder von Schnute wurden am 14. Januar 1986 geboren. Ein Jungtier aus diesem Wurf wurde aufgezogen und im Juni 1986 von den Berliner Kindern auf den Namen „Maxi“ getauft. Bis Taps 1990 aus dem Bärenzwinger genommen wurde, hatte Schnute noch mehrere Würfe mit insgesamt 12 kleinen Bärenkindern. 1990 war der letzte Wurf von Taps. Maxi kam im Herbst 1986 nach mehrmonatigen Aufenthalt im Tierpark Friedrichsfelde (im Spielkäfig) wieder in den Bärenzwinger zurück. Julchen und Jette waren inzwischen verstorben und nun hatten Maxi und Schnute den Zwinger für sich allein. Als Tilo im August 1990 dazu kam, bewohnten die beiden Bärendamen gemeinsam die rechte Anlage.

Schnute war Maxi gegenüber oft dominant. Sie wollte wohl nie wieder die „2. Geige“ spielen. Maxi in ihrer unbekümmerten Fröhlichkeit und Frechheit ärgerte Schnute aber recht gern. Darauf reagierte Schnute entweder mit Gebrüll oder sie ging weg und legte sich an einen geschützten Platz. Am 10. Januar 1994 bekam Schnute wieder Jungtiere, Tilo war der Vater. Es waren Drillinge, die sie vorbildlich aufzog. Sie war bei der Bettelei durch die Kleinen sofort bereit, sich auf den Rücken zu legen und ihre Kinder trinken zu lassen. Dabei hielt sie diese auch mit den Pfoten fest, damit sie sich nicht zankten. Beim Baden oder Klettern stand sie wachsam dabei und holte die Kinder weg, wenn es ihr gefährlich erschien. Für uns als Pflegerinnen war es ein wunderschönes Erlebnis, dass Schnute uns in die Bärenkinderstube lies, wir mit den Bärenkindern auf die Freianlage konnten und sie geduldig wartete, bis sie wieder zu ihren „Jungen“ durfte.

Nach dem Absetzen der Jungtiere musste sie sich erst wieder an ihre „alte“ Familie Maxi und Tilo gewöhnen. Beide durften sich ihr gegenüber nicht allzu viel herausnehmen, aber sie spielte auch manchmal ein paar Minuten mit ihnen. Maxi hatte dabei viel mehr Ausdauer.

Im Winter lagen die beiden Jüngeren gerne bei ihr im Nest. Erst in den beiden letzten Jahren ist Schnute nicht mehr bereit, ihren Schlafplatz zu teilen. Sie ist ruhebedürftiger als früher und möchte auch ab und zu allein sein.

Maxi lässt sich davon nicht beeindrucken, aber wenn Schnute ihr zeigt, dass sie es ernst meint (aufgerissene Schnauze und Brummen), dann zieht es Maxi vor, sie nicht weiter zu reizen. Beim Fressen ist Schnute schneller und nicht so wählerisch wie Maxi, daher gibt es kaum Neid oder Streit. Schnute badet leidenschaftlich gerne, am Liebsten im Bassin, wahrscheinlich weil dort manchmal kleine Leckerbissen auf dem Grund liegen, die man mit der Pfote herausfischen kann. Beim Schwimmen im Wassergraben ist sie vorsichtig, damit sie beim Spielen mit Maxi nicht mit den Ohren unter Wasser gerät, das ist ihr zuwider.

Auf Bäume klettert Schnute nicht gern. Sie liebt die Bequemlichkeit. Futter, das zu hoch hängt wird eben ignoriert. Gern beschäftigt sie sich mit Dingen, die süße Leckereien beinhalten, wie die Holzscheibe mit Löchern. Sie hat viel mehr Ausdauer als Maxi etwas auseinanderzunehmen oder kaputt zu machen.

Den Pflegerinnen Frau Kutzner und Frau Gnad gegenüber ist sie freundlich aber bestimmt. Was sie nicht will, macht sie eben nicht. Sie kommt zum Fell kraulen nur, wenn sie es möchte. Mit der Pfote (angehoben) zeigt sie dann, wie lange das Kraulen dauern darf. Als Jungtier hat sie manchmal mit der Pfote durch das Gitter geschlagen, sogar ihre Kleinen taten das mit uns. Nachdem Taps weg war, ließ die Aggressivität nach und irgendwann begann sie es zu genießen, am Rücken gekrault zu werden, später auch am Kopf. Heute ist dieser Kontakt zu Schnute nicht mehr wegzudenken.

Trotzdem darf man nichts in ihrer Reichweite liegen lassen, das wird sofort in ihr „Revier“ gezogen und nicht mehr herausgegeben. So haben wir schon einige Handfeger, Besen, Schrubber und Wasserschläuche eingebüßt. Maxi lässt sich von einem „Nein!“ beeindrucken, Schnute nicht. Hier ist sie die „Stammesälteste“ und entscheidet was ihr passt.

Schnute frisst sehr gerne. Sie ist eine kleine Fressmaschine. Dadurch hat sie auch schon einmal zwei sehr schlimme Tage und Nächte verbracht. Bei einem Kinderfest im Köllnischen Park flog ein Luftballon auf die Anlage, den sie sofort platzen ließ. Trotz Lockens mit Leckerbissen, ignorierte sie ihn nicht, sondern fraß ihn auf. Das bekam ihr leider nicht. Der Gummirest blieb fast drei Tage im Bauch, sie fraß nicht und das Koten unterblieb auch. Am dritten Tag erschien der Gummirest aber endlich beim „Toilettengang“ und es ging ihr wieder besser. Ganz sicher hat sie daraus nichts gelernt. Das können Tiere leider nicht. Manchen Menschen geht es ähnlich.

Maxi beschäftigt sich auch mit Futter, das nicht auf Anhieb fressbar erscheint, wie Kokosnüsse und Straußeneier. Das ist für Schnute uninteressant, sie kullert die Kokosnuss nur eine Weile hin und her. Wenn sie nicht beim Drauftreten kaputt geht, kann man sie auch nicht fressen! Ihre bevorzugten Leckereien sind Räucherfisch, Ananas und Hundefutter (Feuchtfutter).

Man hat oft den Eindruck, die Bären schlafen tief und fest auf der Anlage. Das ist aber nicht der Fall. An den Bewegungen der Ohren sieht man, dass sie alles um sich herum registrieren. Wenn Schnute wirklich müde ist, legt sie sich ins Haus. Wir Pfleger können dort trotzdem unsere Arbeit tun. Sie kennt uns gut genug, um zu wissen, dass wir ihr nicht zu nahe kommen und sie stören. Daher schläft sie ganz entspannt und manchmal schnarchend.

Gern zeigt sie Maxi ihre Überlegenheit, indem sie diese nicht aus dem Haus auf die Anlage lässt. Dann sitzt sie direkt im Eingang und wartet, ob Maxi es wagt, sie zu schubsen. Sie ist aber nie so mutig und unverfroren wie Maxi, obwohl sie auch neugierig ist. Als einmal ein Sonnenschirm in den Wassergraben fiel, betrachtete Schnute ihn nur von weitem, während Maxi sofort hinunterkletterte und den Schirm untersuchte.

Schnute hält sich gern auf der rechten Seite der Anlage auf, aber zusammen mit Maxi und Tilo war sie auch auf der linken Seite der Anlage. Seit Tilo 2007 verstorben ist, müssen sich beide Bärendamen wieder zusammenraufen. Maxi war viel mit Tilo auf der linken Seite der Anlage zusammen. Beide waren fast gleichaltrig. Schnute und Maxi vermissen Tilo, es ist wie im richtigen Leben.  Sein Geruch ist für die feinen Bärennasen noch zu spüren.

„Wir haben eine Kanzlerin, warum nicht auch eine Stadtbärin?“ fragte Frau Junge im Jahr 2007 und so wurde Schnute die erste Berliner Stadtbärin. Schnute wird das Berliner Wappentier würdig vertreten.

In den letzten Jahren wurden die beiden Bären älter und ruhiger. Aber wenn es Beschäftigung und gerne auch etwas nicht alltägliches zum Fressen gab, lenkten ihre feinen Nasen ihre Tatzen an die richtige Stelle. Die Pflegerinnen warfen einfach Äpfel, Rosinen und Pflaumen ins Wasser oder ins Gras, so suchten Maxi und Schnute intensiv alles ab. Im Wasser wurden sie am Boden fündig. Meist wurde die Suche belohnt. Sie gönnten sich eine Zwischenmahlzeit. Maxi starb 2013, da wollten Tierschützer die beiden Bären in einen Bärenpark bringen. Sie stiegen sogar auf das Dach des Bärenzwingers. Durch den Tod Maxis mit 27 Jahren, sie war fünf Jahre jünger als ihre Mutter Schnute (32), änderte sich die Situation. Die BVV Berlin Mitte/ Tiergarten beschloss, dass man einem Umzug von Schnute nicht mehr zuzumuten würde. Daher wurde das Bärengehege altersgerecht umgebaut. Seitdem hatte Schnute fast 500 m² für sich alleine. Bären sind Einzelgänger.

Schnute ist eine alte Bärendame, das Fell ist an einigen Stellen dünner geworden und sie ist nicht mehr auf so flotten Pfoten unterwegs, wie in den letzten Jahren. Sie bewegt sich langsam durch das Gehege, schnuppert hier und dort, hält die Nase in die Luft und zieht den Duft des Herbstes ein, schaut ins Publikum und schaut dann, was der Pfleger dort wohl in der Futterküche zu tun hat. Da könnte doch etwas für sie dabei sein? Aber nichts fällt für sie ab, so kommt sie wieder heraus und die Sonnenstrahlen wärmen ihren Pelz.

Schnute war noch am letzten Wochenende (4. Oktober) altersgemäß unterwegs. Sie war aufmerksam für ihre Umgebung, schnupperte an der Feige, kratzte mit der Tatze den Rindenmulch weg und fand etwas zum Fressen. Sobald sie draußen war, blieben die Leute stehen und schauten ihr zu.

Schnute wurde 34 Jahre alt und ist nun im Bärenhimmel bei ihren Freunden Tilo und Maxi. Die Berliner Bärenfreunde und Besucher aus aller Welt werden sie vermissen und sich gerne an die Stadtbärin Schnute im Köllnischen Park erinnern. Sie lebt in unzähligen Fotos und in den Herzen der Menschen weiter.

von: den Pflegerinnen (Mai 2007) und Frau Junge (Oktober 2015)