Berliner Bärenfreunde e.V.

Dienstag, 18. Juni 2019

Treffen mit Mitgliedern der Fotogruppe im Mühlenbecker Land SichtWeisen

Den Fotografen, Herrn Bentz lernte ich durch die Ausstellungen des Künstlers Uwe Tabatt kennen, der sich intensiv mit der urbanen Gesellschaft Berlin – Brandenburg beschäftigt. Bei der letzten Ausstellung kam uns die Idee, sich mit Mitgliedern der Fotogruppe im Mühlenbecker Land SichtWeisen zu treffen.

Wir erzählen etwas über den historischen Hintergrund der Gebäude, an denen sich Bärenreliefs befinden und die Mitglieder von SichtWeisen der Fotogruppe im Mühlenbecker Land bringen ihre Kameras mit, um die Reliefs und Figuren zu fotografieren. Das ist für uns oftmals sehr schwierig, da sich die Figuren und Reliefs in großer Höhe befinden.

Der Termin wurde für den 20. September 10:30 Uhr festgelegt.

Am Samstag, einem regnerischer Tag, trafen sich einige Mitglieder der Fotogruppe im Mühlenbecker Land SichtWeisen mit den Berliner Bärenfreunden vor der Australischen Botschaft. Frau Junge begrüßte die Gäste herzlich und sagte, bei schönem Wetter kann jeder fotografieren, bei Regen zeigt sich der der gute Fotograf. Sie berichtete, dass der Zehlendorfer Regierungsbaumeister Fritz Crzellitzer den Gebäudekomplex 1912/13 erbaut hat. Anfangs an damals übliche „Engroshäuser“ und Herstellungsbetriebe der Bekleidungsindustrie vermietet, bezog Ende der dreißiger Jahre die Tischlerinnung gemeinsam mit dem Verlag „Das Deutsche Holzgewerbe“ das Gebäude. Den Krieg überstand der Komplex ohne größere Schäden, so dass für kurze Zeit das Zentralkomitee der KPD einziehen konnte. Seit 1946 ist das Gebäude durch SED-Parteiverlage, seit 1972 ausschließlich durch den Dietz-Verlag, genutzt worden. Die SED war es auch, die noch Ende der vierziger Jahre erstmalig das angrenzende Wohnhaus Märkisches Ufer 8 (Mauerziegelbau mit Holzbalkendecken, Baujahr 1886) als Gästehaus einbezog. 1996 wurden beide Gebäude vom Commonwealth of Australia erworben.

Zwei Besonderheiten sind Fritz Crzellitzers Geschäftshaus noch heute zu eigen: Zum einen gelang es dem Architekten, den gesamten Grundriss mit nur vier Innenstützen offen und damit weitgehend flexibel zu halten, zum anderen ist die detailreiche Majolika-Fassade (wetterfeste Keramik) des Bauteils an der Wallstraße noch weitgehend erhalten und wurde mit dem Umbau saniert. Der Denkmalwert dieser Fassade ist überdurchschnittlich hoch, da in Berlin keine andere der seltenen gebäudehohen Majolika-Verkleidungen so vollständig erhalten ist. Darüber hinaus bergen die stringente, aufstrebende Gliederung der zehn Fensterachsen und die für Geschäftshäuser typische Teilung in Erd- und Obergeschosszone die Qualitäten der beginnenden Moderne in sich.
Für uns interessant, zwei figürliche Bären gleich am Seiteneingang und Bären die sich an der Fassade des Gebäudes, ebenfalls in Majolika Technik befinden. (Quelle – Wikipedia)

Weiter ging es zum Hochhaus auf der Fischerinsel Nr. 5. Wie kommt ein modernes Hochhaus zu einem alten Berliner Bären?

In einer einmaligen Bärensuche im Stadtbild von Berlin durch die Leser des Neuen Deutschland im Frühjahr 1980 wurden über 130 Bärenskulpturen, Brunnen und Reliefs gefunden.Eines wäre aber heute sicherlich verschollen, hätte nicht ein aufmerksamer Berliner diesen Bären gerettet. Auf Grund dieser Suchaktion hatte er sich gemeldet und hier seine Geschichte.

Herr Olbrich, damals aus Berlin-Blankenfelde war in der 70iger Jahren Kraftfahrer im Tiefbaukombinat. Als er und einer seiner Kollegen bei Abrissarbeiten auf der Fischerinsel wieder eine neue Tour zur Schuttkippe fahren wollten, fand er ein Sandsteinrelief mit Bär auf seinem schweren Kipper. Er rettete den Bären und bewahrte ihn auf seinem Grundstück auf – bis zu der Bärensuche 1980 vom ND. Er war bereit diesen Bären wieder der Stadt zurückzugeben. Nach den Recherchen des ND thronte dieser Bär einst über dem seitlichen Tor der Alten Feuerwache in der Fischerstraße, ein Werk des Bildhauers E. Giesecke.

Ludwig Hoffmann – von 1896-1924 Stadtbaudirektor – schrieb dazu: „Hier deuten in der Türfasche kleine Fischer zwischen Flammen das Wasser, während inmitten eine große Kartusche das Wappen von Berlin zeigt. Unter dem Schild mit dem Bären erinnert ein kleiner Feuerwehrmann mit zwei Delfinen an die Bestimmung des Tores. Und man kann sich vorstellen, dass dieser Bär durch Kriegseinwirkungen zwar etwas rußgeschwärzt war, aber gewiss ein besonders „origineller“ Fund der Bärensuche ist. Er hat einen neuen Ruheplatz in unserer Stadt verdient.“
Soweit der Inhalt des damaligen Artikels von Dieter Bolduan. Wer heute mit offenen Augen durch unser schönes Berlin geht, kennt diesen Bären schon längst. Er ist am Giebel des Hochhauses Fischerkitz 5 in Mitte angebracht. Vor einigen Jahren wurde das Hochhaus saniert und wir beobachteten mit Argusaugen, dass dieser Bär dort bleibt. (Quelle – ND Bärensuche 1980)

Der Weg führte uns weiter entlang des Spreekanals zum „Historischen Hafen Berlin“ Fischerinsel Nr. 3. Er ist seit nunmehr 20 Jahren der Ort für historische Museumsschiffe in Berlin. Eine Vielzahl unterschiedlich großer Schiffe liegt entlang der Friedrichsgracht bis hin zum Märkischen Ufer an der Mühlendammschleuse. Die durchschnittlich 100 Jahre alten Schiffe sind zum großen Teil fahrbereit und beherbergen verschiedene kulturelle und Gastronomische Angebote wie den Kulturkahn Helene und das Deckshaus. Mehrere historische Fahrgastschiffe, darunter die “Heinrich Zille“, das älteste Fahrgastschiff Berlins, von 1898, können gechartert werden. Die Highlights der Flotte sind neben der “Heinrich Zille” sicherlich der große Schleppdampfer “Andreas” und der Heckradschlepper “Jeseniky”. Ende August findet jährlich das traditionelle Hafenfest in Berlin-Mitte mit Schiffsparaden, Hafenrundfahrten, Schlepper-Tauziehen und Stoßboot-Rennen, einem Hafenmarkt mit kulinarischen Spezialitäten sowie Spielaktionen für Kinder, viel Musik (Schifferchor und Zentralkapelle Berlin), maritimer Ausstellung und etliches mehr, statt. (Quelle – Berlin-Brandenburgische Schiffahrtsgesellschaft e. V.)

Der nächste Halt war das Märkische Museum in der Wallstrasse. Nach Entwürfen des langjährigen Berliner Stadtbaurates Ludwig Hoffmann wurde es zwischen 1901 und 1907 erbaut. Der Gebäudekomplex mit dem markanten Backsteinturm am Spreeufer ist das „Stammhaus“ der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Der Bau zitiert Architekturvorbilder des Mittelalters und der Renaissance und beherbergt die vielfältigen kulturhistorischen Sammlungen in den Museumsräumen.

Heute schauen wir aber nach Bären, die sich am Gebäude befinden. Gleich am Giebel, neben dem Eingang zum Café befindet sich der erste Bär. Der zweite Bär befindet sich an einem Erker unter einem Fenster, mit Blick auf das Lapidarium. (Quelle – Wikipedia)

Gegenüber befindet sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und auch an der Fassade befinden sich Bären, die links und rechts des Einganges zu finden sind. Der große Baudenkmalkomplex östlich des Köllnischen Parks (heutige Adresse Am Köllnischen Park 3) wurde 1903/1904 nach Plänen des Architekten Alfred Messel als Verwaltungszentrale der ehemaligen  Landesversicherungsanstalt im Stil des Spätexpressionismus gebaut. Architektonisch gliedert sich das Gebäude in neunzehn Achsen, deutlich betont durch Kolossalpilaster. Es besaß nach seiner Fertigstellung einen sechseckigen Dachturm mit geschweifter Haube auf dem Mansarddach. In den horizontalen Brüstungsfeldern ist die Fassade mit allegorischen Figuren, simulierten Balustern oder Schmuckkartuschen mit Handwerkssymbolen (beispielsweise ein Bügeleisen zwischen zwei Scheren) aus Muschelkalkstein sparsam dekoriert. Die Flächengestaltung mit roten Klinkern ist auf das gleichzeitig errichtete Märkische Museum abgestimmt. Das Gebäude wird durch ein zentrales Treppenhaus erschlossen und verfügt über einen großen und einen kleinen Sitzungssaal, eine ehemalige einliegende Direktorenwohnung und zwei Innenhöfe. Über dem südlichen Seitenportal befindet sich eine Männerfigurengruppe in klassischer Darstellung und der Spruch „Einer für alle – alle für einen“. Nach kriegsbedingten Reparaturen beherbergte das Bauwerk zwischen zirka 1950 und 1989 die Verwaltung der Staatlichen Sozialversicherung der DDR. Ab 1990 wurde das Gebäude saniert, es ist nunmehr Sitz von Fachabteilungen und Servicebereichen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. (Quelle – Wikipedia)

Nach wenigen Schritten erreichten wir den Berliner Bärenzwinger, in der heute die 33jährige Bärin Schnute lebt. Der Bärenzwinger direkt am südlichen Zugang zum Köllnischen Park entstand auf einer Fläche, auf der sich von 1900 bis zum Herbst 1938 ein Straßenreinigungsdepot, erbaut nach Entwürfen des langjährigen Berliner Stadtbaurates Ludwig Hoffmann befand. Erst am 17. August 1939 wurde der Zwinger, mit vier Bären offiziell in Betrieb genommen. Urs und Vreni kamen aus Bern und Jule und Lotte waren die BZ-Bären und kamen aus dem Berlin Zoo. 1941 ist dann ein weiterer Bär hinzugekommen. Es war eine eigenwillige, aber damals zeitgemäße Geschichte. Ein Geschwader der Luftwaffe (Bären-Geschwader) erhielt im April 1940 als Geschenk der Reichshauptstadt einen schwarzbraunen Bären und führte ihn bei seinen Kampfeinsätzen mit. Als dieser zu groß geworden war, wurde er dem Bärenzwinger geschenkt. Er hieß mal Teddy, mal Purzel, wurde aber allgemein nur der Geschwader-Bär genannt. Jule, Urs, Vreni und der Geschwaderbär wurden Opfer der Straßenkämpfe im Zentrum Berlins. Man fand sie im Jahr 1949 bei den Aufräumungsarbeiten zur Wiedereröffnung des Zwingers unter den Trümmern. Ein Bär blieb am Leben, die Lotte, die noch bis Juni 1945 im Zwinger war. Sie wurde, fast verhungert, dem Berliner Zoologischen Garten übergeben, in dem nur noch 92 Tiere die Bombenangriffe überlebt hatten. Als er bereits am 1.Juli 1945 wieder für Besucher geöffnet wurde, gehörte Lotte zu den besonderen Attraktionen. Sie lebte dort bis zum 6.2.1971.

Der Zwinger wurde mit Sand gefüllt und diente als Buddelplatz für die Kinder der Umgebung.

Am Dienstag, dem 29. November, wurden die Bären offiziell an den damaligen Ostberliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert übergeben. Nante und Jette wurden ein Begriff für Berlin. 33 Bärenkinder, darunter viermal Drillinge und neunmal Zwillinge wurden im Zwinger geboren. Der Bärenbestand wurde später dem Tierpark zugeordnet und der übernahm die Jungtiere meistens nur wenige Wochen nach der Geburt für den eigenen Kinderzoo. Dort gehörten die Bärentaufen zu den besonderen Attraktionen.

Viele kleine Bären wurden, nachdem sie auf dem Kinderzoo herausgewachsen waren, in den Tiergärten der DDR untergebracht, verkauft oder getauscht. Einige wurden auch geschlachtet.

Nante ist am 24.3.1979 und Jette am 13.11.1984 verstorben. So nahm eine große Bärenliebe und die erste Bärenfamilie im Zwinger ein Ende. Sie haben in Berlin eine lange Bärengeschichte geschrieben und bleiben im Herzen und in den Fotoalben vieler Berliner lebendig. Nach Nante war Taps von 1981 bis 1990 der amtierende Berliner Bär. Er war ein Bruder der heute noch im Zwinger befindlichen Schnute. Er ist leider sehr früh erkrankt und 1990 verstorben.

Mit Taps kam seine Schwester Schnute, geboren am 18.1.1981 in Staßfurt, am 10.6.1981 zunächst im Tierpark und am 7.7.1981 zum Zwinger im Köllnischen Park. Von ihnen stammt Maxi, geboren am 14.1.1986, die im Zwinger geblieben ist.

Nachdem Taps verstorben war, brauchte Berlin einen neuen Stadtbären und Schnute und Maxi einen neuen Partner. So kam Tilo, geboren am 8.1.1990 in Bischofswerda, am 26.7.1990 zunächst in den Tierpark und dann im August dazu.

Das Ende der Spaltung Berlins sollte auch ein Ende der Bärenheimstätte sein. Kurzum, er sollte geschlossen werden. Der Stadtbezirk Mitte konnte diese Haltung natürlich nicht akzeptieren, diese Berliner Sehenswürdigkeit einfach abzuschaffen. Nach dem Motto, wenn er die Bären behalten möchte muss er sie übernehmen, wurden sie dem Stadtbezirk Mitte „übergeben“ und der Stadt Berlin geschenkt.

Natürlich rief das die Berliner auf den Plan. Mit großer Unterstützung der Medien begann eine heftige Protestwelle gegen die beabsichtigte Schließung. Die Berliner Morgenpost richtete beispielsweise eine spezielle Hotline ein, über die täglich die Meinung der Berliner veröffentlicht wurde und eröffnete ein Sonderkonto mit dem bezeichnenden Kennwort „bärenstark“. Hier wurde wiederum sehr deutlich, was die Bären den Berlinern bedeuten. Letztlich wurde eine Lösung gefunden. Der damalige Berliner Finanzsenator, Elmar Pieroth, gab die Zusage für die Finanzierung einer Rekonstruktion und der Zwinger wurde umgebaut. Die damalige Bezeichnung des Zwingers von Pieroth als „Juwel inmitten der Weltstadt“ verdient es festgehalten zu werden.
Am 2.4.1993 waren Tilo, Schnute und Maxi wieder in ihrem Bärenheim. 1994 war das große Bärenjahr und es gab einen Hype, wie bei Knut, tausende Berliner und Gäste der Stadt wollten die fünf Bärenkinder sehen. Es gab große Probleme bei der Unterbringung der jungen Bären. Bärolina, Rieke und Atze wurden vom Zoo in Buenos Aires, einer Partnerstadt Berlins, aufgenommen. Alex und Piefke fanden eine neue Heimat im Naturpark Cabarceno in der Nähe der Stadt Santander in Nordspanien.

Tilo starb 2007 und Maxi im August letzten Jahres. Nun bleibt Schnute alleine in ihrem Bärengehege, das für sie altersgerecht umgebaut wurde. Es gab durch Tierschützer Demonstrationen, um die Bären in einen Bärenpark umzusetzen. Der Stadtbezirk Mitte und die Tierärzte, am 20. Februar 2014 hat die BVV Mitte entschieden das Schnute bleibt.
Heute interessiert uns der Berliner Bär über der Tür zum Eingang des Bärenzwingers. Das Berliner Stadtwappen über der Eingangstür wurde von dem Berliner Bildhauer Ludwig Isenbeck aus Friedenau aus Muschelkalk angefertigt.

Auf der linken Seite, über dem Gittertor befindet sich ein Emaille Schild mit den Worten –

Bitte nichts in das Freigehege werfen!
Unsere lieben Bärenkinder sollen gut gedeihen.
Links von diesen Sätzen befindet sich das Berliner Wappen mit Bär, in einer rotem Umrandung und der roten Mauerkrone.
Hier endet auch unsere „Berliner Bärenführung“ die allen Beteiligten gut gefallen hat. Die Mitglieder der Fotogruppe im Mühlenbecker Land SichtWeisen werden unserem Verein ihre Fotos zur Verfügung stellen. Ein schöner Tag ging bei Sonnenschein zu Ende.

Christa Junge

Fotos: © Berliner Bärenfreunde e.V.