Berliner Bärenfreunde e.V.

Montag, 29. November 2021

Wir nehmen Abschied von Florentine Bredow

Ein Herz für Teddybären und den Berliner Bär hat aufgehört zu schlagen.

1949 – 2018

Florentine Bredow mit Bärenbrunnen am Teufelssee © Christa Junge

Florentine C. Bredow war weltweit bekannt durch ihre große Teddybär-Sammlung, aber auch der Berliner Bär in Plüsch, Porzellan, Holz, Stein und Glas war vertreten. Dazu gehören auch viele Postkarten zum Thema Berliner Bär. Sie hat einige Berliner Bären gezeichnet, die wir für unsere Vereinszeichnung nutzen durften. Wir waren auch oft zusammen mit der Kamera auf Bärenjagd in Berlin.

Ich kenne Florentine schon über 20 Jahre und wir waren eng befreundet, es ist immer schwer sich so öffentlich zu verabschieden, aber sie hätte sich darüber gefreut.

Florentine C. Bredow wurde 1949 in Braunschweig geboren, sie wuchs in eine schwere Zeit hinein und ihr Vater tauschte Tabak gegen einen kleinen Teddybär für sie ein. Die Schule bewältigte sie spielend und die Kinder liebten sie, konnte sie doch so wundervolle Bärengeschichten erzählen. Ihre offene Art half ihr auch beim Studium der Kunstgeschichte.

Florentine fing mehr durch einen Zufall das Sammeln von Teddybären an. In einem Inserat las sie von Teddybären, die ein neues zu Hause suchten. Aber sie kam zu spät und konnte nur noch einige, sehr „abgeliebte“ Teddys mitnehmen. Nun hatte ihr kleiner Bär auf einmal neue Geschwister, die Idee war geboren, noch mehr Teddys zu sammeln und zu retten.

Sie unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Kunsterziehung bis zu ihrer Pension. Der Beruf machte ihr viel Freude und sie hatte bis zuletzt Kontakt zu ihren ehemaligen Kollegen.

1986 gründete Florentine ihr erstes TeddyMuseum im Kudamm-Karree am Kurfürstendamm. Das Guinnessbuch würdigt Florentine mit dem Eintrag, weltweit die umfangreichste Sammlung dieser Art zu besitzen.

1989 traf sie ihre zweite Hälfte, ihren Seelenverwandten, ihren heutigen Mann Götz und die Hochzeit folgte drei Jahre später.

Beide vermehrten auf weltweiten Auktionen die Bärensammlung rasant. Florentine nutzte ihre Freizeit mit dem Verfassen von Fachbüchern und Artikeln in Fachzeitschriften über Stoff- und Werbebären. Ihre vier engsten Teddy-Freunde unterstützten sie dabei.

Nach fünf Jahren musste der Museumsstandort aufgegeben werden. Eine Zeitlang waren viele ihre Plüschbären und Plüschtiere ebenfalls am Kurfürstendamm privat zu sehen. Schließlich platzte das Privat-Museum aus allen Nähten, der Platz war knapp, so musste eine andere Lösung her. Auch die angemieteten Lagerflächen reichten nicht aus.

Das KaDeWe leihte sich 300 Bären und dekorierte damit das gewaltige nach Nordwesten zeigende Schaufenster. Hunderte Kinder drückten sich vor dem Theater hinter Glas die Nasen platt und staunten mit leuchtenden Augen, sie brachten den Verkehr zum Erliegen.

Museen auf der ganzen Welt wollten ihre Bären zeigen. Die inzwischen auf mehr als 5000 Plüschbären und Plüschtiere gewachsene Familie geht auf Reisen. Bis nach Japan zogen ihre Bären für eine lange Zeit.

Sie schätzte den Wert der Lieblinge ihrer Besucher bei einer Ausstellung im Wertheim am Kurfürstendamm, dort gab es 2006 eine große Hasenparade.

Florentine suchte einen Standort mit viel mehr Platz. Von den vielen Bewerbern für die riesige Bärenfamilie favorisiert Florentine ein Museum in der Hofer Ludwigstraße. Es war ein alter Brauereikeller mit vielen Gewölben, die sich wunderbar für den Standort und die Dekorationen des Museums eigneten.

Zur Eröffnung waren einige hundert Gäste dort und sie begrüßte alle Persönlich. Dorthin kamen viele Besucher, die zuvor den Weg nicht nach Berlin fanden. Florentine war gerne dort und ich war einige Male in Hof um wieder neues zu entdecken.

Wir berichteten von einem einer meiner Besuche, wir entdeckten den Berliner Bär von Annelies Rudolph und auch im Museum waren Berliner Plüschige Gesellen ausgestellt. Es gab auch extra eine Rubrik „Bär“sönlichkeiten.

2012 war dort Schluss und das Museum wurde in Berlin eingelagert. Es gab noch einige Ausstellungen, darunter die im Europa-Center zum 25. Bestehen des Teddy-Museums. Die Ausstellung zog viele Besucher aus dem In- und Ausland an.

2017 fühlte sich Florentine erschöpft und nahm eine Auszeit. Sie und Götz flogen nach Florida, zurück fuhren sie mit dem Schiff. Aber Florentine fühlte sich weiterhin nicht wohl und entschied einen Arzt aufzusuchen. Sie wurde behandelt, doch Florentine verlor kein Wort über Diagnose und Behandlung.  Es ging ihr nicht besser, sie brach die Behandlung ab.

Götz erfüllte ihren Wunsch, das Bärenkonvolut gut zu verpacken und sicher einzulagern. Der auf 15 000 Objekte angewachsene Plüschschatz wartet in einem Dornröschenschlaf auf ein neues Erwachen.

Sie stirbt und es bleiben viele Erinnerungen an einen Menschen mit einem großen Traum, „ein dauerhaftes Teddy-Museum in Berlin“, einem großen Herzen und an meine sehr gute Freundin.

Wir werden dich nicht vergessen.

 

Christa Junge