Unser Gästebuch
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es ist offensichtlich kulturell und gesellschaftlich bedingt, dass uns Bären einst wie auch heute als große Sympathieträger entgegentreten. Zahlreiche Verhaltensweisen und auch allein die Erscheinung der Großraubtiere, ob exotisch oder "einheimisch", bestechen uns mit ihrer Erscheinung und lassen uns eine menschliche Zuneigung empfinden. Dieses Phänomen ist nur zu gut nachzuvollziehen und es hat sich wahrlich über Jahrhunderte, mit gewissen Außnahmen, kaum grundlegend verändert. Wie aktiv es ist, zeigte uns zuletzt "Knut"!
Nun sind in der heutigen Gesellschaft die Menschen weit von den Tieren isoliert worden und die Welt der Tiere ist den Bewohnern der Städte, aber auch zunehmend der ländlichen Bereiche, sehr fremd geworden. Heute überwiegen eher wieder tief in der Psyche verwurzelte "Ängste", wie vor der Begnung mit einem "Bruno" in der Natur, und zugleich eine ungemeine "Fachkundigkeit" von vielen Personen, die sich durch die zahlreichen Filmaufnahmen und den Gesprächen mit Gleichgesinnten ein ausgeprägtes Urteilsvermögen über die Haltung und vor allem das "Wohlfühlen" eines Bären machen können. Gerade dieses verbreitete "Halbwissen" ist besonders bedrohlich für die so wichtige bildende und erhaltende Aufgabe von Arten in den Zoos, sowie der Einstellung gegenüber der noch praktizierten Bärenhaltung im Köllnischen Park. Es wird "gefachsimpelt", zu "tierschützenden Aktionen" aufgerufen, mehrfach bestätigte tierärztliche Beurteilungen widerufen oder einfach nur "Besserwisserei" verbreitet. Und dies alles nur zum Verbessern eines persönlichen und menschlichen Gefühles! Tatsächlich sind diese Beurteilungen von vielen "Tierfreunden" ausgesprochen antropomorph und nicht immer wirklich tiergerecht. Einen Bären, der von Hause zeitlebens Einzelgänger ist, kann man keine anhaltende Einsamkeit vorwerfen, noch bedarf es der dringenden Umsiedlung in einen Wald oder ein neues und großes Gelände, in dem das alte Tier sich zurecht finden muss. Hier entstehen für den Bären Stresssituationen, abgesehen von der Umsetzung selbst und inwieweit sich dass Tier dann wirklich umstellen kann, ist ungewiss. Solche Gedanken sind für eine Umsiedlung junger Tiere trefflicher, doch nicht für einen Bären, der über 32 Jahre umsorgt wurde.
Mit diesen Zeilen möchte ich lediglich darauf aufmerksam machen, dass sich "Tierliebe" nicht immer günstig auf die Art wirken muss. WIR sehen die Welt auf die Mitgeschöpfe lediglich anders, halt menschlich, als sie es für einen Bären sind. Ein Bär "denkt", "trauert" oder "freut" sich nicht, gar ist er "böse" oder "verschlagen". Ein Bär reagiert und korrespondiert mit seiner Umgebung, passt sich an diese im Rahmen seiner Möglichkeiten an und kann "Erwartungshaltungen" zeigen.
Es ist, bei der Betrachtung der Haltung im Köllnischen Park, sehr viel für die Bären getan worden. Erinnern wir uns an die kahle Unterbringung vor 20 Jahren. Und heute? Die neuen Erkenntnisse wurden bestmöglich berücksichtigt und Strukturen eingetragen, die dem Leben der Bären auf physische aber auch tierpsychische Art entgegenkommen. Solche Entwicklungen sollten nie bei den Diskussionen vergessen werden! Und klar ist zudem auch, dass die Haltung mit dem Ableben des letzten Bären am Köllnischen Park aufgegeben wird. Dieses Ziel wurde schon vor langer Zeit gesetzt, aber es wird alljährlich daran vorzeitig gerüttelt, nachdem es zuvor Bestand hatte. Und tut ein Rütteln, auch im übertragenen Sinne wie eine "Demonstration vor der Anlage oder gar auf dem Dach des Überwinterungsquartieres" einem Tier gut oder ist es notwendig? Ich denke es wäre ein gutes Ziel, wenn sich Gegner und Befürworter zu sachlichen Gesprächen einfinden und fachkundliche Mitstreiter unterstützen. Ich würde mir persönlich sehr wünschen, wenn nach dem altersbedingten Ableben von Schnute IM Köllnischen Park an der Stelle des Zwingers eine Begegnungsstätte Mensch-Bär enstände, in dem die Vergangenheit und die Zukunft der Haltung, sowie der jeweilig vertretenen Haltungen sachlich und bereichernd für jede Meinung zur Diskussion ständen.
mit der Hoffnung auf ein Verbleib von Schnute,
Dr. Christian Matschei